Für Transparenz in Tschernobyl in Weißrussland: Wassilij Borisowitsch Nesterenko

Friedenspreisgewinner 2005, Kategorie "Öffentliches Wirken"

Wassilij Nesterenko
Unermüdlich hatte Prof. Nesterenko die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl öffentlich gemacht. Gegen die staatliche Politik bezog er die Menschen vor Ort ein, machte ihnen seine Untersuchungen zugänglich und unterstützte sie im Kampf gegen die Strahlenbelastung.

Als es 1986 in Tschernobyl zur Katastrophe kam, war Prof. Nesterenko Direktor des Instituts für Kernenergetik der Akademie der Wissenschaften der Republik Belarus. In den Tagen nach der Nuklearkatastrophe war er vor Ort am brennenden Reaktor tätig. 1990 wurde das Wissenschaftstechnische Zentrum für Strahlensicherheit „Radiometer" gegründet. Prof. Nesterenko wurde zu dessen Direktor und verließ auf eigenen Wunsch das Institut für Kernenergetik, um sich dem Schutz der Bevölkerung vor der Strahlenbelastung zu widmen. Von Anfang an hat das Institut BELRAD parallel zum bereits existierenden Strahlen-kontrollsystem ein gesellschaftliches Netz örtlicher Meßstellen zur radioaktiven Kontrolle der Lebensmittel in der Bevölkerung aufgebaut.

Nesterenko bei der ArbeitProf. Nesterenko verstand sich in erster Linie nicht als Wissenschaftler sondern als humanitärer Helfer, dessen Mitarbeiter vor Ort in den betroffenen Dörfern mit den Menschen sprechen und ihnen Wissen vermitteln, wie sie sich selbst möglichst gut vor der Strahlenbelastung schützen können. Lehrerinnen wurden zu Multiplikatorinnen ausgebildet, die vor Ort die Lebensmittel der Menschen messen. Über Jahre und Jahrzehnte hat Prof. Nesterenko den staatlichen Umgang mit den Folgen von Tschernobyl kritisiert. Durch die stetige Kritik an der Tschernobylpolitik der Regierung erhöhte sich der Druck auf Prof. Nesterenko immer mehr. Das Gesundheitsministerium versuchte BELRAD zu verbieten die Strahlenbelastung der Kinder zu messen und BELRAD vergeblich angewiesen nach Gomel umzuziehen.