Er gibt den Roma eine Stimme in Ungarn: Aladár Horvath

Friedenspreis 2015: Auswahlliste

Seit einem Vierteljahrhundert kämpft der ungarische Menschenrechtsaktivist, Bürgerrechtler und Politiker Aladár Horvath unermüdlich gegen die Benachteiligung und Ausgrenzung der rund 700.000 Roma in seiner Heimat.

Bereits im Jahr 1988 / 89 gehörte Aladár Horváth im damals noch sozialistischen Ungarn zu den Mitbegründern eines sogenannten Anti-Ghetto-Komitees. In seiner Heimatstadt Miskolc machte sich der damals 25-Jährige gemeinsam mit anderen ungarischen Roma erfolgreich gegen eine Umsiedlung stark: Die Angehörigen der ethnischen Minderheit sollten in 168 Wohnungen zu je 29 Quadratmetern untergebracht werden – zwei Kilometer von der Stadt entfernt, ohne Heizungen und Abwasserleitungen.

Behausungen ohne Wasseranschlüsse

Aldar Horvath: Aktion gegen widerrechtliche RäumungÄhnliche Pläne gibt es in Miskolc auch in jüngster Zeit wieder. Führende Lokalpolitiker haben die Auflösung eines großen Roma-Wohngebiets beschlossen. Wieder einmal sollen die Einwohner in neuen Behausungen untergebracht werden, die über keinerlei Wasseranschlüsse verfügen. Gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern demonstrierte  Aladár Horvath fast vier Wochen für das Bleiberecht der Einwohner vor Ort.

Es ist ein zäher Kampf für die Rechte der Roma, jener größten Bevölkerungsminderheit im Land. Dies gilt umso mehr seit Ministerpräsident Viktor Orbán einen politischen Kurs vorgibt, der von Repressionen gegen seine Kritiker geprägt ist.  Vor einigen Jahren hatte Aladár Horváths Stimme mehr öffentliches Gewicht: Von 1990 und 1994 saß er als erster Roma-Abgeordneter Ungarns im Parlament, von 2002 und 2005 war er als Berater der sozialistischen Ministerpräsidenten Péter Medgyessy und Ferenc Gyurcsány tätig.

Das Ziel: Gleiche Rechte für alle

Aldar Horvath: Demonstration gegen RassismusAuch als Vorsitzender einer Bürgerrechtsbewegung trat er unermüdlich für sein Ideal einer liberalen demokratischen Gesellschaft ein, die allen Menschen gleiche Rechte einräumt. Als zwischen 2008 und 2009 sechs Roma einer Mordserie zum Opfer fielen, war Aladár Horváth vor Ort, um mit den Hinterbliebenen zu sprechen und konnte dadurch Ermittlungsfehler offenlegen. Bei den Parlamentswahlen 2014 trat er als Spitzenkandidat für die zuvor neu gegründete ungarische Romapartei an und prangerte insbesondere fehlende Bildungs- und Aufstiegschancen für Roma an, was ein Abgleiten in die Kriminalität begünstige.

Man habe nur zwei Wege, sagte Horváth bei der Abschlusskundgebung seiner Partei: Entweder die ungarische Heimat zu einem besseren Ort für die Roma zu machen – oder die Heimat zu verlassen. Der Einzug ins Parlament gelang der Partei zwar nicht. Dennoch ist Aládar Horváth dank seines ausdauernden Engagements und seiner Zivilcourage für viele Roma zum Vorbild geworden.