Balanceakt zwischen Tradition und Moderne in Israel: Amna Kanane

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Sie versöhnt Israelis und Palästinenser und befähigt junge Frauen, ihren eigenständigen Weg innerhalb einer patriarchalischen Gesellschaft zu gehen: Amna Kanane, eine arabische Israelin, die sich mutig und weise zwischen Tradition und Fortschritt bewegt.

Keine Frau zurücklassen – hierfür steht Amna Kanane, eine arabische Israelin aus dem Gebiet Wadi Ara im Norden des Landes. In eine traditionelle muslimische Familie hineingeboren, begann Amna als junge Frau, Bildungsangebote für Araberinnen zu organisieren. Dies galt als aufrührerisch, und so gerieten sie und ihre Familie unter Druck.

Dennoch genoss Amna als eine der ersten Araberinnen in Israel eine umfassende Bildung und spezialisierte sich auf Gender- und Führungskräftestudien. Um ihr Wissen an andere Frauen weiterzugeben, gründete sie 2003 in ihrem Heimatort die Organisation ‘Min Ag'lichi’ – ‘Bewusstsein für Dich’.

Vertrautes Umfeld, neues Leben

Amna KananeSeither ermutigen Amna und ihre Kolleginnen junge Frauen, ihren Horizont zu erweitern und eine höhere Bildung anzustreben. In Workshops lernen sie zu diskutieren, öffentlich zu sprechen und sich berufliche Perspektiven zu erarbeiten. Besonders beliebt ist Amnas Kurs für Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren: Die Teilnehmerinnen setzen sich mit den traditionellen Erwartungen ihrer Gesellschaft auseinander und lernen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, ohne sich von ihrer Gemeinschaft loszusagen. Viele der Frauen entscheiden sich anschließend für eine höhere Bildung.

Weil Themen wie Familienplanung und Krankheiten in der muslimischen Gesellschaft schambesetzt sind, organisiert Amna Workshops, in denen sie den Teilnehmerinnen medizinisches Wissen vermittelt. Eine große Zahl Frauen brachte anschließend den Mut auf, sich gesundheitlich durchchecken zu lassen und mit Ärztinnen und Ärzten über Familienplanung zu sprechen.

Versöhnung durch Verständnis

Ein wichtiges Anliegen ist Amna die Versöhnung zwischen Juden und Muslime. Deshalb bringt sie in ihrem Haus Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen zusammen. Sie berichtet jüdischen Studierenden und amerikanischen Jüdinnen und Juden über ihr Leben als arabische Israelin und bietet einen jüdisch-arabischen Frauentreff an.

Als im Sommer 2014 der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eskalierte, öffnete Amna ihr Haus für ihre jüdischen Nachbarn. Bis heute tauschen sich Muslime und Juden über politische Spannungen und persönliche Ängste aus; so lernen sich Nachbarn kennen, die sich bisher fremd waren. Auch Religionsführer beider Seiten bezieht Amna in ihr Projekt ein – damit sie sich gegen jede Form von Gewalt aussprechen.

Mit gesellschaftlichen Widerständen hat die mutige Araberin regelmäßig zu kämpfen. Doch Amna setzt ihren Weg mit viel Feingefühl fort – und überwindet Grenzen, indem sie die Eigenheiten der Kulturen achtet.