Wissen des Urwalds in Brasilien: Benki Piyako

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Beharrlich und zugleich friedlich setzt sich der Ashaninka-Indigene Benki Piyãko für den Schutz des Regenwalds am Amazonas ein. Dabei setzt er sowohl auf Kontakte zu nicht-indigenen Nachbarn als auch auf die Vernetzung via Internet.

Es ist der größte Regenwald der Welt – ein Lebensraum von rund 40.000 Pflanzenarten, 400 Säugetierarten und 1300 Vogelarten. Und vielleicht ist die Flora und Fauna am Amazonas sogar noch vielfältiger, denn weite Teile des riesigen Gebiets sind bis heute nahezu unerforscht.

Kampf gegen illegale Holzfäller

Kinder lernen Setzlinge zu pflanzenDoch der Lebensraum, über den wir so wenig wissen, ist seit Jahrzehnten bedroht. Nach Angaben des WWF wurden allein in Brasilien zwischen 2004 und 2013 pro Minute Waldflächen in einer Größe von knapp drei Fußballfeldern vernichtet. Auch die rund 1000 Ashaninka-Indigenen im brasilianischen Bundesstaat Acre an der Grenze zu Peru kämpfen seit Jahren gegen illegale Holzfäller.

Nachdem die brasilianische Regierung ihr Territorium 1992 rechtmäßig anerkannte, haben sie mit Unterstützung der nichtstaatlichen „Kommission Pro-Indigene des Bundesstaats Acre“ einen nachhaltigen und umweltschonenden Wirtschaftsplan für ihr Areal entwickelt. Ihre Kenntnisse vermitteln sie auch den nicht-indigenen Nachbarn außerhalb ihres Gebiets. Benki Piyãko hat diese Arbeit besonders vorangetrieben. Er setzt sich seit seiner Jugend dagegen ein, dass rücksichtslos Wild gejagt und Bäume gefällt werden.

Sein Engagement brachte ihm von 2003 bis 2007 sogar das Amt des Umweltsekretärs in der Ortschaft Marechal Thaumaturgo ein, die drei Stunden Flussfahrt von seinem indigenen Gebiet entfernt liegt. Eine besonderer Vertrauensbeweis, denn die Ashaninka galten dort lange als Feinde.  Benki Piyãko baute vor Ort das Ausbildungszentrum Yorenka Ãtame (zu deutsch „Wissen des Urwalds“) auf, um dort nachhaltige und umweltfreundliche Wirtschaftsformen zu vermitteln und gemeinsam mit Jugendlichen Waldflächen wieder aufzuforsten. Seit 2011 setzt er sich zudem verstärkt für die Ashaninka-Gemeinschaft in Peru ein und unterstützt ihre Bemühungen um staatliche Anerkennung ihres Territoriums.

„Das Internet ist unsere Waffe“

Benki Piyako: Schildkrötenzucht: Nahrungsquelle und ArterhaltungIm Kampf gegen Drogenschmuggel und illegale Holzfäller helfen Benki Piyãko und seinen Mitstreitern auch die Chancen der Digitalisierung: „Das Internet ist unsere Waffe“, sagte er in einer TV-Dokumentation der ARD. „Mit Pfeil und Bogen kämpfen wir längst nicht mehr.“ Seit die brasilianische Regierung abgeschieden lebende indigene Völker mit Internetstationen ausgestattet hat, können diese die Polizei alarmieren, wenn sie illegale Holzfäller entdecken. Einige der Kriminellen wurden bereits gefasst, weil die Einsatzkräfte schnell per Helikopter eintrafen. Außerdem helfen die Internetstationen den Indigenen, sich untereinander zu vernetzen, ihr Wissen zu teilen, einander zu warnen und Lobbyarbeit für ihre Anliegen zu betreiben.

Sein friedlicher Einsatz gegen die illegalen Rodungen hat Benki Piyãko aber auch Feinde eingebracht. Immer wieder erhält er Morddrohungen. 2014 wurden vier Ashaninka-Indigene in Peru ermordet, die sich als Umweltaktivisten betätigt hatten. Doch er  will sich davon nicht einschüchtern lassen: „Die Morde an meinen Mitstreitern machen mich sehr traurig“, sagte er in einem Interview mit Greenpeace. „Aber sie bestärken mich auch darin, weiter ohne Waffen gegen die Holzindustrie und für die Rechte meines Volkes zu kämpfen.“