Das Schweigen brechen in Guatemala: ECAP

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ECAP Demonstration: Internationaler Tag der Gewaltfreiheit

200.000 Menschen kamen zwischen 1960 und 1996 im Bürgerkrieg in Guatemala ums Leben. Viele Opfer waren indigene Frauen. Die Organisation ECAP hilft Angehörigen, die auf eine Aufarbeitung der Taten hoffen, und klärt in der Gesellschaft über Frauenrechte auf.

Das Leid vieler Maya-Frauen im Bürgerkrieg wirkt unvorstellbar: Manche von ihnen wurden von Soldaten vergewaltigt, nachdem diese ihre Männer ermordet hatten. Andere wurden öffentlich vor Familienangehörigen missbraucht, gefoltert und anschließend getötet – oder jahrelang als Sexsklavinnen paramilitärischer Truppen und Generäle gehalten.

Sexuelle Gewalt – ein Tabu

Frauen von ECAPEine Aufarbeitung dieser Gräueltaten hat jedoch auch fast 20 Jahre nach Kriegsende kaum stattgefunden. Zwar wurden einige dieser Verbrechen von der UN-Wahrheitskommission CEH (Comisión para el Esclaremiento Histórico) öffentlich gemacht. Der Staat unternimmt jedoch bis heute keine Anstrengungen, die Opfer psychosozial zu betreuen oder zu entschädigen. Viele schweigen aus Angst vor Repressionen durch die Täter, die bis heute oft straffrei in denselben Gemeinden wie sie selbst leben. Begünstigt wird dies durch ein patriarchalisches gesellschaftliches Klima, in dem Frauen diskriminiert und stigmatisiert werden. Sexuelle Gewalt wird weithin als Tabuthema betrachtet, Gendergewalt als Folge eines Fehlverhalten der betroffenen Frauen abgetan.

Die Organisation ECAP (Equipo de Estudios Comunitarios y Acción Psicosocial) stärkt Frauen die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, gibt ihnen eine Stimme, kümmert sich um ihre psychosoziale Betreuung – und begleitet sie bei ihrer Suche nach juristischer Gerechtigkeit.

Seit der Gründung 1996 arbeitet ECAP in verschiedenen Gemeinden Guatemalas und hat es geschafft, dort Selbsthilfe- und Unterstützergruppen für Opfer aufzubauen. Betroffene Frauen brachen daraufhin ihr angstvolles Schweigen. Sie dokumentierten ihre Leidensgeschichten und wagten es in einigen Fällen sogar, ihre Rechte einzufordern.

Bewusstsein für Rechte schaffen

ECAP Demonstration: Erinnerung gegen VerschwundeneEin weiteres Ziel von ECAP ist es, den Status von Frauen in Guatemala insgesamt zu stärken und Männer für das Thema Gendergewalt zu sensibilisieren. ECAP arbeitet deshalb in verschiedenen Gemeinden mit Jugendlichen, aber auch mit lokalen Gemeindevertretern und vermittelt ihnen ein Bewusstsein für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit.

Dies sind auch zentrale Themen in den Selbsthilfe- und Unterstützergruppen der Gewaltopfer. Sie bestehen inzwischen nicht mehr nur aus Frauen, die Gewalt erlebt haben, sondern auch aus ihren weiblichen Angehörigen. „Bevor ECAP gekommen ist. wusste ich nicht, dass ich Rechte habe. Heute weiß ich das“, sagt eine Teilnehmerin. „ Meine Tochter soll nicht das erleben, was ich erlebt habe. Sie muss ihre Rechte kennen, deswegen bringe ich sie her. Heute bin ich alt, und irgendwann muss meine Tochter meinen Kampf für unsere Rechte weiterführen.“