Ein Leben für den Frieden in Nordirland: Mary Montague

Friedenspreisträger 2015, Kategorie "Öffentliches Wirken"

Mary Montague lebt für den Frieden. Jahrzehntelang vermittelte sie im Nordirlandkonflikt und trug entscheidend zur Versöhnung verfeindeter Gemeinden bei. Auch in anderen Krisengebieten der Welt war sie als Mediatorin tätig.

"Ich habe es mir nie ausgesucht, Friedensarbeiterin zu sein. Es entstand aus der Notwendigkeit heraus: Ich wollte, dass meine Kinder ohne Gewalt aufwachsen", sagt Mary Montague. "Menschen starben und Kinder wurden traumatisiert. Wir mussten einen anderen Weg finden." Zu diesem "anderen Weg" hat die Mediatorin aus Nordirland einen großen Beitrag geleistet. In vierzig Jahren Versöhnungsarbeit brachte sie Gegner dazu, sich anzunähern und Friedensgespräche zwischen verfeindeten Gemeinden zu führen. Mary arbeitete mit jungen Menschen zusammen, um sie daran zu hindern, sich separatistischen Gruppierungen anzuschließen – denn dies hätte sie dazu veranlasst, gewalttätig zu werden. 

Zwischen den Fronten

Mary Montague lebt im katholisch geprägten West-Belfast. Mutig, empathisch und mit einem Sinn für Gerechtigkeit gewann sie das Vertrauen aller Konfliktparteien. Sie wurde gebeten zu vermitteln, um Gewalt zwischen bewaffneten Gruppen und Polizisten zu reduzieren. Es gelang ihr, die Ruhe wieder herzustellen und die befeindeten Parteien zu Friedensgesprächen zu bewegen. Marys Einsatz garantierte, dass auch die Stimmen der Gemeindebasis gehört wurden und ihre Arbeit unterstützte Waffenruhen und politische Vereinbarungen wie das Karfreitags- bzw. Belfastabkommen, das die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Nordirlandkonflikt beendete.

Mary war in Kontakt mit Gemeinden, Regierungsorganisationen, Opfern und Überlebenden, ehemaligen Kämpfern und Kirchenrepräsentanten. Dies unterstützt ihre Glaubwürdigkeit als Mediatorin – auf lokaler Ebene und international.

Frieden für alle

Marys Vermittlungsarbeit führte dazu, dass sie jahrelang mit Todesdrohungen leben musste. Doch Mary gab nie auf. Es war ihr sehr wichtig, alle Kommunen auf dem Weg der Versöhnung zu wissen. Weil sie ihre Methoden des Konfliktmanagements weitergeben wollte, gründete sie im Jahr 2000 gemeinsam mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern die Organisation TIDES Training. Hier gab sie Einzelpersonen, ehemaligen Kämpfern und nordirischen Sicherheitskräften Raum, über ihre Erfahrungen zu sprechen und die Wunden der Teilung zu heilen. Mit ihrem Train-the-Trainer-Programm befähigte sie die Verantwortlichen in den Gemeinden, Mediatoren innerhalb ihrer Gemeinschaft zu werden.

Von Irland in die Welt

Auch in anderen Regionen der Welt trug Mary dazu bei, Frieden zu schaffen. In Kooperation mit Entwicklungsorganisationen wie „Concern Worldwide“ und Care international arbeitete sie als Mediatorin und Trainerin auf dem Balkan. Im Kosovo konzipierte sie ein Programm, das sie auch mit durchführte; hierdurch konnten 40 lokale Mediatoren etabliert werden. Mary arbeitete auch als Vermittlerin in Pakistan, Afghanistan und dem Sudan.    

Marys Arbeit wird untermauert durch ihre Prinzipien und Werte - und den Glauben daran, dass Frieden nur erreicht werden kann, wenn Menschen befähigt werden, ihre eigenen Lösungen zu finden. Sie sagt: „Mit meiner Arbeit versetze ich Menschen in die Lage, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie leben den Konflikt, sie verstehen die Dynamik und die Einflussfaktoren. Sie werden ihre Lösungen finden und das Gefühl haben, dass sie selbst die Ergebnisse erarbeitet haben. Deshalb wird der Frieden nachhaltig sein.“

In Partnerschaft mit "Mediation ohne Grenzen" trainiert Mary weibliche Führungspersonen und Friedensstifterinnen. Das Ergebnis sind Friedensbildungsprojekte im Mittleren Osten, Nordafrika und Asien. Mary ist überzeugt, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, Frieden zu schaffen: "Um die Welt zu verändern, muss ich bei mir beginnen und Beziehungen aufbauen, die auf gegenseitigem Respekt basieren - und der Heilige Geist sorgt für den Rest", sagt sie. "Ich selbst sähe den Samen für solche Beziehungen und trage so zur Versöhnung bei."