Jenseits von Diktatur und Terror in Syrien: Miral Biroreda

Friedenspreis 2015: Auswahlliste

Für Frieden zu werben kann gefährlich sein. Der syrische Menschenrechtsaktivist Miral Biroreda hat das immer wieder am eigenen Leib erfahren. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – hat er in Syrien ein Zentrum für Demokratie und Zivilgesellschaft mitbegründet.

33 Tage saß Miral Biroreda 2011 in Haft, weil er an einer Demonstration von Regimekritikern teilgenommen hatte. 33 Tage Gefangenschaft mit psychologischen Foltermethoden – und ohne jeden Gerichtsprozess. Biroreda ist ein Gegner des Assad-Regimes. Aber er ist auch ein Gegner des bewaffneten Widerstands jeder Couleur. Und er will zeigen, dass es für Syrien eine Zukunft jenseits des Assad-Regimes und des islamistischen Terrors geben könnte. Eine demokratische Zivilgesellschaft. 2011 gehörte Biroreda deshalb zu den Mitbegründern des gewaltfreien Widerstands in Al-Hasakah im Nordosten Syriens.  Er und weitere Mitstreiter schlossen sich einem Netzwerk von lokalen Koordinationskomitees an, die die gemeinsame Vision eines demokratischen Wandels in Syrien verband.

Vom Geheimdienst festgenommen

Mit der Gewaltbereitschaft des syrischen Regimes hatte Biroreda zu diesem Zeitpunkt bereits Erfahrungen gemacht. 2004 hatte er an Demonstrationen während eines Kurdenaufstands teilgenommen als ihm ein Heckenschützen in den linken Fuß schoss.  Biroreda zog sich nach dieser Erfahrung zunächst zurück und verfasste zahlreiche Artikel über die politische Situation und die Lage der Kurden in seiner Heimat. Seine Beiträge, die er einem selbstgegründeten Magazin veröffentlichte, riefen 2007 den Militärgeheimdienst auf den Plan. Dieser beschuldigte Biroreda, eine unlizenzierte Publikation in arabischer und kurdischer Sprache herauszugeben und nahm ihn fest.

Nach anhaltenden Drohungen floh Biroreda zunächst in die Türkei, mittlerweile lebt er in in Deutschland. Doch Gewalt und Widerstände gegen sein politisches Engagement haben ihn nicht resignieren lassen. Aus dem Exil heraus wirbt er weiter für Frieden und Freiheit in Syrien. Anfang 2013 gründete er deshalb gemeinsam mit mehreren Friedensaktivisten unterschiedlicher Herkunft und Religionszugehörigkeit das "Fraternity Center for Democracy and Civil Society".

Internationale Unterstützung

Dieses Zentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, in der syrischen Bevölkerung für eine Kultur des Friedens und der Menschenrechte zu werben. Unterstützt wird die Einrichtung dabei hauptsächlich von der "International Federation for Human Rights"; weitere Fördermittel kommen unter anderem von Coffey International und der deutschen Initiative "adopt a revolution".

In Broschüren wirbt das Center sowohl in arabischer als auch in syrischer und kurdischer Sprache um Toleranz. Vor allem aber veranstaltet die Einrichtung Workshops, in denen Wege friedliche Wege der Konfliktbearbeitung vermittelt werden. Um gewaltfreie Konfliktlösungen drehen sich auch Symposien in verschiedenen syrischen Städten, an denen prominente Vertreter aus Vertreter aus verschiedensten Bereichen der syrischen Gesellschaft teilnehmen. Aktivitäten, die in einem von Gewalt zerklüfteten Land mit den Mechanismen des Krieges brechen.