Furchtlos für die Menschenrechte in Pakistan: Qamar Naseem

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Verteidiger der Menschenrechte, Friedensstifter und Verfechter eines neuen Miteinanders von Männern und Frauen: Seit 15 Jahren riskiert Qamar Naseem aus Pakistan sein Leben für soziale Gerechtigkeit und Versöhnung in der krisengeschüttelten Region Khyber Pakhtunkhwa.

Regelmäßig wird der Norden Pakistans durch Terroranschläge von Al Qaida oder den Taliban erschüttert. Besonders betroffen sind die Region Khyber Pakhtunkhwa und die angrenzenden Stammesgebiete. Hier setzt sich der Menschen- und Frauenrechtler Qamar Naseem seit 15 Jahren für Frieden und Gewaltlosigkeit ein. Ungeachtet aller Gefahren – denn militante Organisationen bedrohen sein Leben, weil er Fürsprecher ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen ist, von Terrormilizen zerstörte Schulen wieder aufbaut und sich in einer männerdominierten Gesellschaft für die Rechte von Frauen einsetzt.

Advokat der Frauen

Als Programmkoordinator der Frauenorganisation Blue Veins thematisiert Qamar die Ausbeutung von Frauen und Mädchen und wendet sich gegen traditionelle Praktiken wie Kinder- und Zwangshochzeiten.
Um seine Anliegen in der Gesellschaft zu verankern, arbeitet er mit religiösen und kommunalen Funktionsträgern und mit Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen. Qamar schult Regierungsmitglieder, damit sie die Interessen von Frauen in den politischen Alltag integrieren und kooperiert mit den Medien, um die Rechte und Belange von Frauen öffentlich zu machen. Als Mitinitiator der Kampagne gegen Brustkrebs setzt sich Qamar für eine selbst bestimmte Familienplanung ein. Er kämpft dafür, dass Frauen als Staatsbürgerinnen anerkannt werden und dass sie ungehindert an Wahlen teilnehmen können.

Konfliktlösung durch Religion

Über 500 religiöse Führer konnte Qamar in den letzten Jahren überzeugen, mit ihm gemeinsam Strategien der Konfliktlösung zu erarbeiten. Er brachte sie davon ab, Menschrechtsverletzungen religiös zu rechtfertigen und versetzte sie in die Lage, extremistische Ansichten zu hinterfragen. Auf seine Initiative hin entstanden in verschiedenen Gegenden Imam-Räte, die in krisengeschüttelten Kommunen Feindseligkeiten zwischen Konfliktparteien aufbrachen und fundamentalistischen Bestrebungen vorbeugten.

Männergewalt beenden

Damit Frieden herrschen kann und Frauenrechte geachtet werden, müssen Männer ihre Rolle in der Gesellschaft überdenken: Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelte Qamar das Programm MOVE Circles. Hier erhalten Männer die Möglichkeit, sich mit ihren Einstellungen und den Auswirkungen gewalttätigen Verhaltens auseinanderzusetzen. Sie lernen, starke Gefühle ohne Gewalt auszudrücken und gesunde Beziehungen zu ihren Familien aufzubauen. Qamar unterstützt Männer dabei, eine respektvolle Haltung gegenüber anderen einzunehmen – und vermittelt ihnen, dass soziale Gerechtigkeit notwendig für friedliche Gesellschaft ist.