Stimme der Ungehörten in Pakistan: Zubair Torwali

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Er riskiert sein Leben für die Rechte von Minderheiten: Zubair Torwali verhilft marginalisierten Völkern zu einem Bewusstsein für ihre kulturelle Identität und prangert als Journalist Menschenrechtsvergehen in seiner Heimat Pakistan an.

Die Schweiz Pakistans – so wird das idyllische Swattal im Nordwesten des Landes genannt. In dieser Region verbreiteten die Taliban in den vergangenen Jahren besonders viel Schrecken. Mädchen wurden unter Morddrohungen davon abgehalten, in die Schule zu gehen und wer sich der terroristischen Macht widersetzte, wurde brutal enthauptet. Doch es gab Mutige, die sich nicht abschrecken ließen. Zu ihnen gehört Zubair Torwali, Journalist, Bewahrer von Minderheitensprachen und Menschenrechtsaktivist.

Bedrohte Sprachen stärken

In Swat geboren und aufgewachsen, kämpft Zubair Torwali für die Rechte marginalisierter Gemeinschaften im Norden Pakistans. Hierzu gehören neben den Torwali – denen er selbst angehört – auch die Paschtunen, die seit Jahrzehnten unter terroristischem Terror leiden. Mit einem Team junger Aktivisten entwickelte Zubair eine Rechtschreibung für die bedrohte Sprache der Torwali, die bisher keine Schrift kannte. Gemeinsam etablierte die Gruppe eine Schule, die ihren Unterricht auf Torwali abhielt. Um die Förderung bedrohter Sprachen auf eine solide Basis zu stellen, gründete Zubair 2008 das Institut für Bildung und Entwicklung, das viele Bücher in Torwali veröffentlichte und das er bis heute leitet.

Neues Selbstbewusstsein

Durch seine Arbeit gelang es Zubair, den Torwali das Gefühl einer eigenen Identität zu geben. Hatten die Älteren sich aus Unwissenheit den Arabern oder Paschtunen zugeordnet, wurden sie sich nun ihrer kulturellen und sprachlichen Herkunft bewusst.

Erfolgreich ermutigten Zubair und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gemeinschaft, auch politisch für ihre Rechte einzutreten. In ihrer täglichen Arbeit verbinden sie sprachliche und kulturelle Werte mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinden. Wenn sie Alphabetisierungsprojekte durchführen oder die berufliche Bildung fördern, steht das Erlernte in Einklang mit der kulturellen Identität der Teilnehmenden.

Schreiben – aus Liebe zu Swat

Mit zahlreichen Artikeln machte Zubair auf die verzweifelte Situation im Swattal aufmerksam. Nachdem der Journalist mit eigenen Augen geköpfte Menschen hatte sehen müssen, schrieb er im Jahr 2009 einen aufwühlenden Artikel, der national und international Gehör fand. Er hieß „Aus Swat – ohne Liebe” und führte zu öffentlichen Protesten und einer Regierungsoffensive gegen die Taliban.

Zubairs Artikel und Aktivitäten sind Zeugnis seiner mutigen Arbeit – doch sie führten dazu, dass er sich monatelang verstecken musste, um sein Leben zu schützen. Dennoch arbeitet er unbeirrt weiter, um für seine Gemeinschaft und andere Ungehörte einzutreten.