Vorschlag 2: Musik als Weg zur Versöhnung in Bosnien-Herzegowina - Superar

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Musik verbindet. Das gilt auch an einem Ort, dessen Name für das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg steht: Zwei Jahrzehnte nach dem Massaker von Srebrenica besuchen bosnische und serbische Kinder eine gemeinsame Musikschule.

Anfangs mussten die Initiatoren viel Überzeugungsarbeit bei Eltern und örtlichen Gemeinschaften leisten. Eine Musikschule in Srebrenica? An dem Ort, an dem während des Balkankriegs mehr als 8000 Menschen auf grausame Weise ums Leben kamen? Zwei Jahrzehnte nach dem Massaker sind die emotionalen Verletzungen bei vielen Bewohnern von Srebrenica noch immer tief. Und dort soll nun eine Musikschule zu Versöhnung und einem besseren Miteinander zwischen Bosniern und Serben beitragen.

Konzert vor dem Papst

Trotz aller anfänglichen Skepsis: Die Musikschule Superar hat sich zu einem Zentrum der Hoffnung entwickelt — und das mitten in einer Stadt, deren Name wie kein anderer für die Grausamkeit des Balkankriegs steht. Die jungen Musiker traten bereits vor Papst Franziskus auf und dank des österreichischen Dokumentarfilms „Kinders“ bekamen zahlreiche Zuschauer einen Einblick in diese besondere Musikschule.

Gegründet wurde Superar 2012, mittlerweile erhalten 350 bosnische und serbische Kinder und Jugendliche kostenfreien Unterricht — Tendenz steigend. Die meisten von ihnen stammen aus Familien, die sich eine solche musikalische Förderung ihrer Kinder sonst nicht leisten könnten.

Gemeinschaftsgeist und individuelle Förderung

Ergänzend zum Chorsingen bietet Superar Instrumentalunterricht für Klarinette, Gitarre, Akkordeon, Klavier, Querflöte und Schlaginstrumente sowie Tanzstunden und Fremdsprachenunterricht an. In einer offenen und freundlichen Atmosphäre erleben die Kinder Gemeinschaft. Zugleich werden sie ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend gefördert. Die Musikschule will einen Beitrag zur Versöhnung in der 13.000-Einwohner-Stadt leisten und dabei hochklassige Chor-, Tanz- und Instrumentalensembles entwickeln.

So lernen die Schülerinnen und Schüler außer Liedern, Tänzen, Vokabeln und dem Umgang mit Instrumenten wie nebenbei die Grundlagen einer friedlichen Zukunft:Selbstvertrauen, Respekt vor Menschen aus anderen Kulturen, Gemeinschaftssinn, Disziplin und Verantwortungsgefühl.