Couragierter Einsatz für indigene Frauen in Kolumbien: María Elena Unigarro Coral

Friedenspreis 2017: Auswahlliste Personen

Seit rund vier Jahrzehnten setzt sich María Elena Unigarro Coral für die Rechte indigener Frauen in Kolumbien ein. Dafür braucht sie viel Mut und Beharrlichkeit.

Fünf Jahrzehnte lang tobte in Kolumbien ein blutiger Konflikt: Die kolumbianische Armee, Paramilitärs und Guerilla-Truppen kämpften in vielen Regionen des Landes um die Vorherrschaft. Ein ausgehandelter Friedensvertrag macht nun Hoffnung auf ein Ende der Gewalt – doch die hat sich in Kolumbien vielerorts auch im Alltag festgesetzt.

Die Leidtragenden sind besonders oft Frauen indigener und afrokolumbianischer Herkunft – zwei Bevölkerungsgruppen, die in Kolumbien noch immer stark marginalisiert werden. Die Frustration darüber entlädt sich oft in den Familien. Viele Frauen leiden somit in doppelter Hinsicht: Einerseits unter Armut und Diskriminierung in der Gesellschaft, andererseits unter der Gewalttätigkeit ihrer Männer.

Omnipräsente Gewalt

Couragierter Einsatz für indigene Frauen in Kolumbien: María Elena Unigarro CoralHier setzt die Arbeit von María Elena Unigarro Coral an. Sie engagiert seit etwa vier Jahrzehnten unermüdlich und mit großer Leidenschaft in der Friedensarbeit in Kolumbien. Aufgewachsen als eines von sieben Geschwistern in Ipiales, einem kleinen Ort in der Provinz Nariño, wächst in ihr schon als Kind der Wunsch heran, etwas gegen die große Armut der indigenen Bevölkerung zu tun. Nach einem Umzug in die Stadt Cali lernt sie weitere Facetten ihres Heimatlandes kennen: Die Kluft zwischen Arm und Reich und die omnipräsente Gewalt, die zum Nährboden von Alltagskriminalität und Drogenhandel geworden ist.

Sie studiert Kinderpsychologie und nimmt parallel dazu an Theaterkursen teil. Die Erkenntnisse nutzt sie, um sich bei Initiativen für Kinder und Erwachsene aus benachteiligten Stadtvierteln zu engagieren. Sie bietet ehrenamtlich Theaterworkshops an, in denen die Mitwirkenden Probleme ihres Alltags auf der Bühne darstellen können. María Elena Unigarro Coral spürt anhand ihrer Geschichten, wie sehr der bewaffnete Konflikt viele Menschen traumatisiert hat, wie sehr das staatliche System die Privilegierten begünstigt und die Armen vernachlässigt – und wie sehr gerade Frauen leiden, weil es an Lobbyarbeit für ihre Rechte fehlt.

Riskantes Engagement

Sie beginnt sich in feministischen Frauenrechtsgruppen zu engagieren. Ein hohes Risiko, denn viele politische Gruppen werden zu jener Zeit blutig niedergeschlagen. In Artikeln und Studien setzt sie sich mit der Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Kolumbien auseinander. 1992 gründet sie „Taller Abierto“, eine Organisation, die sie bis heute leitet. Gemeinsam mit ihrem Team stärkt sie Menschen den Rücken, die dringend Unterstützung brauchen. Frauen und Mädchen etwa, die von Männern geschlagen und gedemütigt wurden oder im Verlauf des bewaffneten Konflikts aus ihrer Region vertrieben wurden.

Couragierter Einsatz für indigene Frauen in Kolumbien: María Elena Unigarro CoralIn vertrauensvollen Begegnungen erhalten die Betroffenen juristische und psychosoziale Hilfe. „Taller Abierto“ organisiert aber auch in Zusammenarbeit mit der deutschen Hilfsorganisation „action medeor“ Workshops zu den Themen Gewaltprävention, Geschlechtergerechtigkeit sowie sexuelle Gesundheit und Selbstbestimmung. Als Vertreterin ihrer Organisation hat María Elena Unigarro Corral jüngst auch die Friedensverhandlungen in Kolumbien mitbegleitet. Ein hoffnungsvolles Zeichen – doch sie weiß auch: Auf dem Weg hin zu einer gerechteren und friedlicheren Gesellschaft in Kolumbien gibt es noch viele Herausforderungen zu bewältigen.