Den Stimmlosen eine Stimme geben: Carlos Henriquez Consalvi aus El Salvador

Friedenspreis 2017: Auswahlliste Personen

Den Stimmlosen eine Stimme geben: Carlos Henriquez Consalvi aus El Salvador
Als Radiomacher, Kulturschaffender, Menschenrechtsaktivist und Museumsdirektor setzt sich Carlos Henriquez Consalvi seit seit Jahrzehnten für den Aufbau El Salvadors nach dem Bürgerkrieg, für die Wiederbelebung einer kulturellen Identität und für Meinungsfreiheit ein.

Den Stimmlosen eine Stimme geben: Carlos Henriquez Consalvi aus El SalvadorVenceremos – Wir werden siegen: So hieß der geheime Radiosender, den der Venezolaner Carlos Henríquez Consalvi 1981 in den Bergen El Salvadors zum Leben erweckte. Damals war das Land von Diktatur und Bürgerkrieg gebeutelt. Elf Jahre operierte Radio Venceremos im Verborgenen und berichtete von den Gräueln der Militärdiktatur, den Massakern an der Zivilbevölkerung und der Dominanz der Gewalt. Bei den Menschen in El Salvador und in der internationalen Presse wurde der Sender während dieser politisch instabilen Zeit zu einer gefragten Informationsquelle. Der Journalist Consalvi und sein Team setzten sich für den Frieden ein – und gaben der salvadorianischen Bevölkerung eine Stimme. Hierfür schufen sie neben dem Radio Begegnungsräume, in denen die Menschen ihre Meinung ohne Angst äußern konnten. 

Heilung durch Wort und Bild

Nachdem 1992 die Friedensverträge von Chapultepec unterzeichnet worden waren, konzentrierte sich Consalvi darauf, der Nachkriegsgesellschaft ihr historisches Gedächtnis zurückzugeben. Denn er wusste: Der Aufbau einer gerechten Gesellschaft konnte nur gelingen, wenn die Menschen sich ihrer Geschichte, ihrer kulturellen Identität und ihrer moralischen Werte bewusst würden.  

Um den Prozess gesellschaftlicher Heilung voranzutreiben, gründete Consalvi das Museum des Wortes und des Bildes in San Salvador, das er bis heute leitet. Er trug dazu bei, die wichtigsten Dokumente zu Menschenrechten und kultureller Identität zu retten, die das Land zu bieten hatte. Aus diesen Schätzen schuf Consalvi mit seinem Team zahlreiche Ausstellungen, Projekte, Lehrbücher, Dokumentarfilme und Trickfilme. Sie richten sich vor allem an Jugendliche – und handeln von indigener Identität, den Zeiten der Diktatur oder inspirierenden Persönlichkeiten und Vorbildern des Landes. Consalvi schuf eine Kultur des Gedenkens, des Friedens und der Gewaltprävention – und erreichte seine Ziele: Er baute Brücken zwischen den Generationen und unterstützte die Bildung einer kritischen und verantwortungsvollen Zivilgesellschaft.

Engagement für die Jugend

Den Stimmlosen eine Stimme geben: Carlos Henriquez Consalvi aus El SalvadorBesonders die Jugend liegt dem Menschenrechtsaktivisten am Herzen. Und so nahmen Carlos Henríquez Consalvi und sein Team im Jahr 2013 an der Gründung des Netzwerks junger Menschen für die Menschenrechte teil. Über Hundert Mitglieder wurden bisher in der Nutzung neuer Technologien und sozialer Netzwerke ausgebildet – mit dem Ziel, die Rechte junger Menschen in Guatemala, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica zu verteidigen. Dies geschieht unter anderem durch Reportagen und Kurzfilme, die über die Webseite „La Plaza“ verbreitet werden. 

Mit seinem Team schuf Consalvi Jugendwerkstätten, in denen junge Menschen lernen, wie sie durch Kunst und Kultur zur Lösung von Konflikten und zu einer Kultur des Friedens beitragen können.