Vom Holocaust-Überlebenden zum Friedensabenteurer: Reuven Moskovitz aus Israel

Friedenspreis 2017: Auswahlliste Personen

Vom Holocaust-Überlebenden zum Friedensabenteurer: Reuven Moskovitz aus Israel
Seit Jahrzehnten wirbt der Holocaust-Überlebende Reuven Moskovitz beharrlich für einen gerechten Frieden in seinem Heimatland Israel: Noch mit 82 Jahren hat er einen Hilfstransport nach Gaza begleitet.

Vom Holocaust-Überlebenden zum Friedensabenteurer: Reuven Moskovitz aus IsraelEr liebt seine Heimat Israel – das merkt jeder, der ihn als Reiseleiter erlebt hat. Er zeigt Besuchern die schönsten und geschichtsträchtigsten Sehenswürdigkeiten, erzählt mit charmantem jiddischen Akzent Anekdoten und verbreitet seinen feinsinnigen Humor. Doch eines liebt er an seiner Heimat nicht – und das ist die israelische Politik gegenüber den Palästinensern. Er hält sie für menschenrechtswidrig und gefährlich. Demütigung und Gewaltanwendung seitens der Israelis würden mehr palästinensische Gewalt provozieren. "Wenn wir jedoch lernen, uns gegenseitig zu achten, wird das zugunsten aller im Nahen Osten lebenden Menschen sein", sagte er einmal in einem Interview.

Frühes Engagement in der Friedensbewegung

Reuven Moskovitz wurde 1928 im nordrumänischen Schtetl Frumusica geboren. Mit elf Jahren wurde er ins Ghetto vertrieben. Er überlebte den Holocaust trotz Verfolgung und Vertreibung und verhalf nach dem Krieg anderen Juden zur Flucht nach Palästina. 1947 wanderte er selbst nach Palästina aus, wo er zum Mitbegründer des Kibbuz Misgav-Am an der Grenze zum Libanon wurde. Nach dem Studium der Geschichte und der hebräischen Literatur an den Universitäten Jerusalem und Tel Aviv war er an mehreren Gymnasien als Geschichtslehrer tätig. Von Anfang an engagierte er sich in der israelischen Friedensbewegung und wurde nach dem Sechstagekrieg Sekretär der neu entstandenen „Bewegung für Frieden und Sicherheit“. 1976 wurde er zum Mitgründer von Neve Shalom / Wahat al Salam (Friedensoase) – einer Siedlung, in der israelische Juden und israelische Araber zusammenleben.

Die Aussöhnung und Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Deutschland ist ihm ein besonderes Anliegen. Obwohl er und seine Familie von deutschen Nationalsozialisten und rumänischen Faschisten verfolgt wurden, gibt es für ihn "ein Deutschland, das ich liebe".  Seit 1970 bereist er das Land Jahr für Jahr. Er hält Vorträge, besucht Schulen, gibt Interviews und vermittelt so seine Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit. Seine Erlebnisse  hat er unter anderem auch in dem Buch „Der lange Weg zum Frieden“ zusammengefasst, dessen Untertitel Programm ist: "Deutschland, Israel, Palästina – Episoden aus dem Leben eines Friedensabenteurers".

Schuld der NS-Zeit als Auftrag für den Frieden

Deutschlands Verantwortung gegenüber Israel liegt für ihn nicht in Rücksicht gegenüber der israelischen Politik. Er fordert mehr Mut zur Kritik – zum Beispiel am Siedlungsbau in den besetzten Gebieten, oder an militärischen Angriffen gegen die Palästinenser: "Die Schuld, die auf dem Land der Täter von Auschwitz liegt, muss den deutschen Menschen ein Auftrag sein, überall gegen Krieg, Vertreibung und Vernichtung Widerstand zu leisten."

Vom Holocaust-Überlebenden zum Friedensabenteurer: Reuven Moskovitz aus IsraelNoch als 82-Jähriger war er mit sieben anderen jüdischen Mitstreitern der Initiative "European Jews for a Just Peace" auf dem Segler "Irene" unter britischer Flagge mit Hilfsgütern nach Gaza unterwegs, als das Boot von israelischen Kriegsschiffen gewaltsam gestoppt und in den israelischen Hafen Ashdod geschleppt wurde. Bis heute, mit fast 90 Jahren, wird Reuven Moskovitz nicht müde, für einen Frieden in Israel zu werben – denn er ist überzeugt: "Ein Held ist einer, der sich seinen Feind zum Freund macht."