Werkzeugmacher der Friedensarbeit in Deutschland: Karl-Heinz Bittl

Friedenspreis 2017: Auswahlliste Personen

Ursprünglich hat er den Beruf des Werkzeugmachers erlernt – und den übt Karl-Heinz Bittl im übertragenen Sinne auch heute noch aus: Mit Kursen, Büchern und didaktischen Spielen hat er vielfältige Werkzeuge für die Friedensarbeit entwickelt.

Seine Schüler arbeiten in aller Welt. Mehr als 200 Menschen hat der Sozialpädagoge Karl-Heinz Bittl im Laufe der Jahre in gewaltfreier und ziviler Konfliktbearbeitung ausgebildet. Und die geben ihr Wissen heute in unterschiedlichsten Regionen der Erde weiter. Sei es in Afghanistan, Kongo, Algerien, Bosnien-Herzegowina, in Kirgisistan oder Kasachstan, in der Türkei oder der Ukraine.

Werkzeugmacher der Friedensarbeit in Deutschland: Karl Heinz BittlSeit einem ersten Training im Jahr 1975 ist Bittl in der Friedensarbeit tätig. Ehrenamtlich baute er das Fränkische Bildungswerk für Friedensarbeit (FBF) auf und absolvierte 1980 eine Ausbildung zum Friedensarbeiter. In dieser Zeit wuchs in ihm auch der Wunsch, sein Engagement zum Beruf zu machen. 1986 wurde Bittl mithilfe einer Spendenkampagne des FBF der erste hauptberufliche Friedensarbeiter im Raum Nürnberg. Ein achtköpfiges Team entstand, dessen pädagogische Leitung er übernahm.

Seit 17 Jahren freiberuflich in der Friedensarbeit

Nach einer finanziellen Krise des FBF entschied er sich im Jahr 2000 für eine Freiberuflichkeit im Bereich der Friedensarbeit und Konfliktbearbeitung. Er ist weiterhin – nun als Freiberufler – für die Bereich Internationales, Ausbildungen und Friedenspädagogik für den Verein tätig. Das Risiko seiner Finanzierung trägt er nun seit 17 Jahren selbst.

Bittl hat unter anderem den Konfliktbearbeitungsansatzes ATCC forciert; die Abkürzung kommt aus dem Französischen und bedeutet Konflikte wahrzunehmen und konstruktiv zu bearbeiten. Dieser Ansatz erweitert das Modell von Johan Galtung, in dem es um strukturelle, personale und kulturelle Gewalt geht. Mit seinem französischen Kollegen Hervé Ott hat Bittl daraus ein systemisches Modell zur Konfliktbearbeitung entwickelt. Die sechs Ebenen des Konfliktes sind Person, Regeln, Struktur, Rituale, Kultur und Werte. Werden diese Indikatoren untersucht, kann ein Konflikt leichter verstanden und gewandelt werden.

Werkzeugmacher der Friedensarbeit in Deutschland: Karl Heinz BittlAuf der Grundlage des ATCC-Ansatzes entstand ein friedenspädagogisches Projekt für den Kindergarten, die Grundschule und den Hort. In den vergangenen acht Jahren hat das FBF nach diesem Konzept bereits mit über 200 Klassen an mehr als 40 Schulen gearbeitet.

Konfliktlösungen spielerisch erarbeiten

Auf Basis des ATCC-Ansatzes entstand unter Bittls Leitung auch das friedenspädagogische Spiel Civil Powker. Es wurde als Alternative zum Bundeswehrplanspiel „Polis“ entwickelt und legt den Schwerpunkt auf die Möglichkeiten zivilgesellschaftlichen Handelns im Umgang mit Konflikten.

Nach mehr als 40 Jahren in der Friedensarbeit ist Karl-Heinz Bittl noch immer voll Motivation und Kreativität bei der Sache. Seine Ideen und Konzepte erreichen viele Menschen unterschiedlichster Altersstufen und haben die Friedensbildung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt.