Interreligiös und gewaltfrei

"Gläubige für den Frieden" und "Church and Peace‘" wenden sich gegen das beunruhigendes Anwachsen von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in Südosteuropa. Bei der Konferenz ‚Re:Aktion - Gläubige für den Frieden in Zeiten von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit‘ nahmen Anfang April 2017 in der Nähe von Zagreb/Kroatien mehr als 70 Teilnehmende aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Montenegro, Serbien, Mazedonien, sowie Gästen aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und den USA teil.

Muslime/a, Christ*innen, unter ihnen Imame und serbisch-orthodoxe Priester, Ordensleute und Pastor*innen verschiedener Denominationen, nahmen daran teil.

Mitveranstalter der Konferenz war das europäische Netzwerk ‚Church and Peace‘ und das Mitglied von Church and Peace in der Region RAND. Die Finanzierung wurde unterstützt durch die Evangelische Kirche in Baden, die Bremer Stiftung ‚Die Schwelle‘, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken Renovabis und die Ökumenische Fraueninitiative in Novi Sad.

Das Organisationsteam bestand aus Christ*innen und Muslim*innen aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien, die seit 2006 unter der Überschrift ‘Indem wir Frieden fördern, loben wir Gott‘ unermüdlich für den Abbau von religiösen, ethnischen und politischen Spannungen arbeiten. Mehr als 200 Menschen haben 2013 die Erklärung der ‚Gläubigen für den Frieden‘ unterzeichnet, um das persönliche Glaubensleben und den Einsatz für die Praxis der Gewaltfreiheit sowie Methoden der sozialen Aktionen miteinander zu verbinden und auf diese Weise das friedensfördernde Potential der verschiedenen Glaubensrichtungen zu stärken.

In den Vorträgen und Diskussionen zu sozialen, politischen und religiösen Bedingungen und Mythen, die zu wachsendem Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit führen, waren sich die Teilnehmenden einig, „dass jede Rechtfertigung von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, die sich auf Glauben oder religiöse Tradition beruft, zutiefst falsch und inakzeptabel ist“, wie es in der Abschlusserklärung heißt. Der intensive Austausch über die beeindruckende Vielfalt der Friedensarbeit in den jeweiligen Ländern sowie die  Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Hintergründe, die dennoch das Vertrauen auf Gott und ihr Bekenntnis zum Frieden vereint, haben die Anwesenden gestärkt.

Prof. Nerzuk Ćurak ermutigte die Teilnehmenden dazu, ihr Friedensengagement in einem größeren geschichtlichen Rahmen zu sehen: "Die Samen, die wir heute mit unseren scheinbar noch so kleinen Beiträgen zum Frieden in den Boden säen, werden in der Zukunft als Teil des kollektiven Gedächtnisses der Gesellschaft aufgehen."

Nach Konferenzen in KrK/Kroatien 2006, Blagaj/Bosnien und Herzegowina 2008 und Andrevlje/Serbien 2010 war diese die vierte Konferenz in der Region, mit der die ‚Gläubigen für den Frieden‘ Menschen der abrahamitischen Traditionen im Südost Europa/Westbalkan ermächtigen wollen, gewaltfrei eine friedlichere und gerechte Gesellschaft aufzubauen.

„Wir haben nicht gewusst, dass das Thema so aktuell sein wird, als wir es für die Konferenz gewählt haben. Leider ist die Situation noch angespannter als vor einem Jahr, “ berichtet Ana Raffai, katholische Theologin aus Kroatien und eine der Gründerinnen der ‚Gläubigen für den Frieden‘.

Und sie stellt fest: „Das Medienecho auf die Konferenz war groß. Eine Zeitung titelte  'Es gibt gläubige Christen und Muslime, die Erklärungen gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit schreiben'. Eine andere war: 'Gläubige können nicht Faschisten werden'. Das ist bei uns die Nachricht!"