Preisträger machen Mut in Zeiten von Flucht und Terror

Bremen, 26.11.2015. Ein 20-jähriger geflüchteter Blogger aus Somalia, eine Initiative für Friedensarbeit in Syrien und eine international krisenerprobte Mediatorin aus Nordirland sind die Gewinner des siebten Internationalen Bremer Friedenspreises 2015 der Stiftung die schwelle. Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis ist in drei gleichrangige Kategorien unterteilt und wird am Freitag, 27. November, 18 Uhr, in der Oberen Rathaushalle in Bremen vergeben.

„Die Not der Flüchtlinge, der Krieg in Syrien und internationale Krisen – selten waren die Themen unserer Preisträger so nah an der aktuellen Nachrichtenlage wie in diesem Jahr“, sagt Stiftungs-Geschäftsführerin Petra Titze. Schirmherrin der Preisverleihung ist Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert. „Der Preis macht Mut“, sagt sie. „Er zeigt großartige und mutige Menschen, die sich für Kriegswaisen, für die schwierige Versöhnung zwischen Religionen oder für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Sie sind Vorbilder für uns.“

Als „Unbekannter Friedensarbeiter“ wird in diesem Jahr der somalische Blogger Farah Abdullahi Abdi geehrt. Der heute 20-Jährige flüchtete vor vier Jahren aus seiner Heimat, weil ihm dort aufgrund seiner Homosexualität strafrechtliche Verfolgung drohte. Auf der Flucht durch mehrere Länder geriet er in Gefangenschaft; er wurde körperlich misshandelt und schuftete monatelang ohne Lohn auf Baustellen – bis es ihm gelang, von Libyen aus über das Mittelmeer nach Malta zu fliehen. Von dort aus setzt er sich heute beharrlich für die Rechte von Flüchtlingen ein. Sei es als Blogger auf dem Onlineportal „Malta Today“, als Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wie „terre des hommes“, als Redner vor Vertretern der EU und der Vereinten Nationen, oder in seiner Biographie, die im Februar kommenden Jahres erscheint. „Ich habe vor Freude durchs Büro geschrien als ich erfuhr, dass ich den Preis gewinne“, erzählt er. „Das ist einfach wundervoll.“ Er hoffe, dass diese Auszeichnung ein Zeichen setzt und dabei hilft, die Unterdrückung von Flüchtlingen in vielen Teilen der Welt zu beenden. 

Der Friedenspreis in der Kategorie „Beispielhafte Initiative“ geht an die Leipziger Organisation „adopt a revolution“, die zivilgesellschaftliches Engagement in Syrien unterstützt. Zwischen IS-Terror und Bombenangriffen des Assad-Regimes arbeiten zahlreiche syrische Initiativen beharrlich an einer demokratischen und friedlichen Zukunft ihres Landes. Sie bauen zerstörte Kindergärten wieder auf. Sie schmuggeln Lebensmittel in eine belagerte Stadt. Sie schwächen den öffentlichen Rückhalt für radikale Islamisten, indem sie deren Brutalität aufdecken. Und sie werben in Zentren für Zivilgesellschaft für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde. Die Leipziger Initiative „adopt a revolution“ macht diese Friedensarbeiter in Deutschland bekannt, sammelt Spenden und wirbt für einen differenzierten Blick auf den Krieg in Syrien. „Wir freuen uns über die Auszeichnung, die in besonderem Maße der jungen syrischen Zivilgesellschaft gebührt“, sagt Mitbegründer Ferdinand Dürr. „Der Internationale Bremer Friedenspreis bestätigt uns in unserer Unterstützung für die Zivilgesellschaft und dem Ansatz einer zivilen Intervention für ein freies, demokratisches Syrien.“

Der Preis für öffentliches Wirken geht an die irische Mediatorin Mary Montague. Jahrzehntelang vermittelte die heute 63-Jährige im Nordirlandkonflikt und trug entscheidend zur Versöhnung verfeindeter Gemeinden bei. Mutig, empathisch und mit einem Sinn für Gerechtigkeit gewann sie immer wieder das Vertrauen der Konfliktparteien – nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch im Kosovo, in Pakistan, Afghanistan und im Sudan. Trotz ihrer friedfertigen Haltung erhielt sie in ihrer Heimat jahrelang Morddrohungen, die sie jedoch nicht davon abhielten, ihre Arbeit beharrlich fortzuführen. Inzwischen blickt sie auf 40 Jahre Erfahrung als Mediatorin zurück. "Ich habe es mir nie ausgesucht, Friedensarbeiterin zu sein“, sagt sie. „Es entstand aus der Notwendigkeit heraus: Ich wollte, dass meine Kinder ohne Gewalt aufwachsen.“ Mary Montague ist überzeugt davon, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, Frieden zu schaffen. Die Preisverleihung sieht sie als Chance, diese Botschaft weiter zu verbreiten. Denn eines steht für sie fest: „Um die Welt zu verändern, muss ich bei mir beginnen und Beziehungen aufbauen, die auf gegenseitigem Respekt basieren – und der Heilige Geist sorgt für den Rest.“

Öffentliche Veranstaltungen mit den Friedenspreis-Gewinnern:

  • Preisverleihung
    Freitag, 27. November, 18 Uhr, Obere Rathaushalle, Am Markt 21, 28195 Bremen
  • Morgen der Begegnung – Gesprächsrunde mit den Friedenspreis-Gewinnern
    Sonnabend, 28. November, 10 Uhr, Forum Kirche, Hollerallee 75, 28209 Bremen

Interessierte sind zu beiden Veranstaltungen eingeladen – eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen über die Preisträger sind unter www.dieschwelle.de/friedenspreis zu finden.

Fotos der Preisträger finden Sie in druckfähiger Auflösung unter www.dieschwelle.de/presse/pressebilder/friedenspreis-2015

Zur Stiftung die schwelle


Die Bremer Stiftung die schwelle wurde 1979 von dem Bremer Stauerei unternehmer Dirk Heinrichs und seiner Frau Ruth-Christa gegründet, 1994 wurden Wiebke und Reinhard Jung Mitstifter. Derzeit unterstützt die Stiftung unter anderem Projekte in Südosteuropa, West- und Zentralafrika, Israel und Palästina und in Bremen.

Pressekontakt

Petra Titze
Geschäftsführerin

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