Aus den Akten auf die Bühne: Ein Projekt zwischen Forschung, Lehre, Theater und Jugendarbeit

Frieden braucht historische Forschung und den ehrlichen Blick auf die Vergangenheit. Erfahrungen von Zusammenhalt und Mut in Zeiten der Gewalt aber auch Traumata und Feindbilder zu erinnern und aufzuarbeiten ist wichtig für die Gestaltung des Friedens. Wie aber werden die Ergebnisse der historischen Friedensforschung vermittelt? Bleiben Sie in klugen Büchern, die nur eine kleine Gruppe Interessierter liest?

Eine bemerkenswerte Antwort auf diese Frage haben die Historikerin Dr. Eva Schöck-Quinteros von der Universität Bremen und Peter Lüchinger mit der Bremer Shakespeare-Company gefunden: Studentinnen und Studenten forschen in den Akten des Staatsarchivs, die Universität gibt Dokumentationsbände heraus. Ausgewählte Akten werden – oft an den historischen Schauplätzen – sorgsam in Szene gesetzt. Schauspielerisch so engagiert, dass die Zeit und Spannung spürbar wird, so sparsam, dass der Dokumentationscharakter sichtbar bleibt. Schon in der Lehre, ganz besonders aber auch über die Theaterstücke, werden mehr und andere Menschen intensiver erreicht als es Bücher können.

Eine-Stadt-im-Krieg; Foto: Marianne MenkeAnlässlich des 100jährigen Gedenkens an den 1. Weltkrieg wurde das Projekt „Eine Stadt im Krieg: Bremen 1914 -18“ seit 2013 begleitet. In diesem Projekt, das so in Europa einmalig ist, beschäftigen sich die rund 20 Studierenden, ihre Dozentin und die Akteure der Shakespeare Company erstmals mit einer ganzen historischen Phase. „Eine Stadt im Krieg – Bremen 1914 – 1918“, so der Titel der szenischen Lesung und des von den Studierenden erarbeiteten, umfangreichen Begleitbandes. Regisseur Peter Lüchinger hat aus rund 800 bis 1000 Seiten Aktenmaterial ein beklemmendes Stück Zeitgeschichte zusammengeschnitten. Der Abend endet mit der Aussage einer unbelehrbaren Bremerin, die sich am 2. Januar 1919 darüber empört, dass die Arbeiter- und Soldatenräte das Infanterie-Regiment Nr. 75 entwaffnet haben und die sich sehnlichst „einen Mann wie Bismarck“ wünscht, „der die Zügel ergreift“. Ein Wunsch, der nur 14 Jahre später auf fatale Weise in Erfüllung gehen wird. „Peter Lüchinger hat es sehr genau auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass der Zweite bereits im Ersten Weltkrieg begründet liegt“, sagt Eva Schöck-Quinteros.

Nach Jahren der Einzelförderung ist die Stiftung die schwelle 2014 gemeinsam mit der Bremer Jugendbildungsstätte Lidicehaus einen Kooperationsvertrag mit der Universität Bremen eingegangen, um das Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“ längerfristig und mit aktiver Beteiligung zu unterstützen. Dieses führt dazu, dass ein weiterer Mosaikstein in der nachhaltigen Wirkung dieser Arbeit entstanden ist.

Anna Mamzer ermöglicht nun mit einer halbe Personalstelle, den inzwischen zahlreichen Nachfragen aus Schule und außerschulischer Jugendarbeit nach Aufbereitung von Materialien für ihre Zwecke, gerecht zu werden. Das Lidicehaus, die Universität und die schwelle erhoffen sich davon eine weitere Wirkung der Forschungsergebnisse im Unterricht und Projekten der außerschulischen Bildungsarbeit.

Anna Mamzer ist erreichbar unter:
Tel. 0421 - 218-67247
mamzer(at)uni-bremen.de

Videoaufnahmen der Lesung: "Eine Stadt im Krieg - Bremen 1914-1918" finden sie hier.

Info

Land:
Deutschland

Thema:
Friedensforschung

Gründung:
2007

Zusammenarbeit seit:
2014

Hauptamtliche MA:
2

Ehrenamtliche MA:
30

Webseite:
www.sprechende-akten.de