Mainelin: Perspektiven geben, Hoffnung schenken in Kamerun

Ehrungen nach erfolgreich bestandener Ausbildung

Viele junge Menschen in Kamerun haben kaum berufliche Perspektiven. Die Arbeitslosigkeit ist groß, Hoffnungslosigkeit und Frustration sind verbreitet. Dem setzt der Ausbildungsverein MAINELIN in Douala großes Engagement entgegen.

MAINELIN bietet arbeitslosen Jugendlichen Lehrgänge, Kurse und Ausbildungen in Bau- und Baunebengewerken: Maurer, Fliesenleger, Klempner, Maler, Elektriker/ Elektroinstallation, Tischler, Zimmerer, Dachdecker. Für ältere Schülerinnen und Schüler werden in den Ferien Informatikkurse angeboten, inzwischen auch Sprachkurse, Lehrgänge zur Haushaltsführung und zum Projektaufbau. Speziell für Mädchen und junge Frauen wurde ein Schneideratelier und Friseursalon zur Ausbildung eingerichtet und seit 2008 eine enge Kooperation mit einem anderen Verein begonnen, der ganz auf Aktivitäten mit jungen Frauen spezialisiert ist. Seit 2010 gibt es einen Ausbildungszweig "Ausstattung, Dekoration", der sehr nachgefragt ist und erfolgreich arbeitet

Auf Baustellen, im Atelier und im Unterricht bekommen sie ein Rüstzeug, das ihre Chancen erhöht, auf dem Arbeitsmarkt Stellen zu finden oder im informellen Sektor selbständig für die eigene Existenz zu sorgen.

Der Sitz des Vereins ist in einem großen Zuzugsviertel in Douala, der Wirtschaftsmetropole des Landes und gleichzeitig Magnet für Menschen, die auf dem Land zu wenig Chancen für sich sehen. Seine Bauaktivitäten finden aber auch in anderen Städten Kameruns statt.

Ausbildung in Kamerun

"Ausbildung" in Kamerun ist nicht geregelt und genormt. Üblicherweise haben theoretische und praktische Ausbildung dort nichts miteinander zu tun. Jemand besucht eine technische Schule – und ist ausgebildet, ohne je Handwerkszeug benutzt zu haben. Ein anderer arbeitet in einer Werkstatt mit – zwei Wochen oder zwei Jahre – und ist ausgebildet, ohne die geringste theoretische Grundlage mitbekommen zu haben. In der Regel aber schlagen sich Jugendliche, perspektivlos mit Gelegenheitsjobs durch, die sie oft schnell wegen mangelnder Qualifikation wieder verlieren.

TheorieunterrichtSchneiderausbildung

Vor diesem Hintergrund ergriff ein junger Mann, Jules Blaise Tchuenche Boum im Jahr 2000 eine Initiative. Nach einem Elektrotechnikstudium in einem Universitätsinstitut in Bandjoun bei Bafoussam war er selbst mit dem Problem der Arbeitslosigkeit und des „Sich-Durchschlagens“ in Kleinjobs konfrontiert. Er gewann aus seinem sozialen und kirchlichen Umfeld einige weitere engagierte junge Leute, die in verschiedenen Techniken und Handwerken ausgebildet waren und von Gelegenheitsarbeiten lebten für seine Idee. Sie wollten einen Verein aufbauen, der zugleich ein gewerblicher Betrieb ist und Ausbildung für Jugendliche durchführt.

Anfang 2001 wurde der Verein „Elektro-Informatik-Wartung, Hoch- und Tiefbau e.V.“  (GIC MAINELIN-GC) gegründet und bekam die staatliche Anerkennung als gemeinnütziger Verein.
Dessen wichtigste Aufgaben sind:

  • Jugendlichen eine Ausbildung zu geben, um ihnen die Chance eines Auswegs aus der Perspektivlosigkeit zu bieten.
  • Und dadurch allen Beteiligten eine, wenn auch kleine wirtschaftliche Existenzgrundlage zu verschaffen.
  • Jungen Männern und Frauen auf ihrem Weg in Beruf und Gesellschaft in Kursen und Beratungsangeboten theoretische Kenntnisse und berufliche sowie lebenskundliche Orientierung  anzubieten.

Für die praktische Ausbildung – und die eigene Erwerbsarbeit – werden Bau- und Reparaturaufträge akquiriert. Dabei bewegen sie sich auf dem freien Markt, aber auch im Bereich von Stadtentwicklungsprojekten, von Selbsthilfegruppen sowie der Kirche.

Die bessere Auftragssituation in Douala veranlasste sie im Jahr 2003 ihren Hauptsitz von Bafoussam dorthin zu verlegen. Anfänglich in Mieträumen untergebracht, haben sie inzwischen mit Unterstützung der schwelle ein kleines eigenes Betriebsgebäude mit Büro, Atelier, Lager und seit einer Gebäudeaufstockung 2008 auch Unterrichtsräumen. Dort werden in Kursen und Lehrgängen die theoretischen Elemente unterrichtet sowie auch Tagungen organisiert. Zum Teil sind es Vereinsmitglieder, die den Unterricht abhalten, anderes wird auf Honorarbasis von Fachlehrern unterrichtet.

Angepasste Ausbildungsmodule für die Lebensrealität der Jugendliche

BauhandwerkausbildungAusbildungsdauer und -ziele sind entsprechend der dortigen Voraussetzungen und der Interessen der Teilnehmer flexibel. So gibt es projektbezogene Kurzausbildungen, die eher als Praktikum bezeichnet werden können. Manche Jugendliche bringen mehr Energie zunächst nicht auf – und manche Baustellen ermöglichen mehr Praxis auch nicht.

Dann gibt es, speziell für ältere Schülerinnen und Schüler, Ausbildungskurse in den Ferien, die in Kamerun drei Monate im Sommer und je zwei Wochen über Weihnachten und über Ostern sind. Sie werden traditionell gern für Ferienjobs genutzt und da hat ein „qualifizierender Job" einige Attraktivität. Und schließlich gibt es auch längerfristige, mehrjährige Ausbildungen, die allerdings wegen der unsicheren Auftragslage und des permanenten Geldmangels noch die große Ausnahme bilden

Große Chance für die Jugendliche

Eine Ausbildung wie sie der Verein bietet, ist eine große Chance für Jugendliche, nicht entmutigt auf der Straße zu bleiben oder sich mit Kleinkriminalität durchs Leben schlagen zu müssen. Eine solche Ausbildung hilft ihnen, leichter eine Anstellung zu finden, oder aber auch eigenständig Aufträge einzuwerben. In jüngerer Zeit entwickelt sich auch der Trend, mit der erworbenen Qualifikation kooperativ Kleinbetriebe aufzubauen. Das schafft die Basis einer legalen Existenzsicherung und die Möglichkeit, der Armut zu entkommen. In einem Land wie Kamerun hat das unschätzbaren Wert.

Seit einigen Jahren hat MAINELIN eine Bäckerei im Betriebsgebäude eingerichtet, die sehr erfolgreich und mit Gewinn arbeitet und 16 Männer und Frauen in Produktion und Verkauf beschäftigt. Mit dem Überschuss finanzieren sie sowohl Ausbildungsaktivitäten und Honorarkräfte als auch eine ganz neue Arbeit, die sie 2012 begonnen haben: In einem neuen Gebäude nehmen sie für ein halbes Jahr minderjährige alleinstehende Mütter mit ihrem Baby auf, kümmern sich um sie, bieten ihnen eine kleine Basisausbildung an, damit sie hinterher überleben können. Auch über das halbe Jahr hinaus geben sie bei Bedarf Beratung und gelegentlichen Beistand. Damit greifen sie einen sich verstärkenden Notstand in ihrem Umfeld auf. Es ist immer so viel Dynamik in diesem Verein, dass die Liste der Aktivitäten immer wieder ergänzt werden kann.

Info

Land:
Kamerun

Thema:
Soziale Gerechtigkeit / Bildung

Gründung:
2001

Zusammenarbeit seit:
2002

Hauptamtliche MA:
26

Adresse:
gicmainelin_gc(at)yahoo.fr

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