MHOLA: Rechtshilfe für Frauen und Gemeinwesen stärken in Tansania

Mama's Hope Organization for Legal Assistance

MHOLA Mama's Hope Organization for Legal Assistance in Bukoba, Tansania bietet besonders Frauen und Kindern Rechtshilfe an. Daneben stehen die Schulung von Verantwortungsträgern und Gesundheitsaufklärung im Vordergrund.

Der Hauptsitz von MHOLA ist in der tansanischen Kleinstadt Bukoba am Viktoriasee, Provinzhauptstadt von Kagera. Im eigenen Vereinshaus bieten sie  zweimal wöchentlich eine offene Sprechstunde an, bei denen hauptsächlich Frauen ihre Fälle Juristen. Juristinnen und einer Anwältin schildern können. Diese entscheiden, ob und in welcher Weise MHOLA ihnen helfen kann. Hauptsächlich handelt es sich um Landkonflikte und Gewalt gegen Frauen und Kindern. Je nach Fall kann die Hilfe von einer Beratung, über die Abfassung von Briefen und juristischen Dokumenten bis zur anwaltlichen Vertretung vor Gericht umfassen. Und sie haben Erfolg! Von den 1166 Fällen, die an MHOLA zwischen 2007 und 2011 angetragen wurden, konnten 860 abgeschlossen werden, in überwiegender Mehrzahl zugunsten der Klienten von MHOLA. Denn das Rechtswesen in Tansania ist sehr fortschrittlich, vielen Menschen, besonders auf dem Land, mangelt es jedoch an Zugang zu gerichtlicher Vertretung und an Wissen, dass es sich lohnt für ihr Recht zu kämpfen.

Konflikte lösen nicht nur vor dem Gericht

Neben der juristischen Auseinandersetzung versucht MHOLA bevorzugt zwischen den Parteien eine Lösung des Konfliktes durch Mediation zu erreichen. Doch auch nach erfolgreichem Abschluss eines Prozesses ist die Arbeit für MHOLA nicht getan. Nur durch weitere Mediationsgespräche mit den beteiligten Parteien, sowie den Verantwortlichen in den jeweiligen Dörfern kann sicher gestellt werden, dass die Frauen, die weiterhin in ihrer Gemeinschaft leben, keine Ausgrenzung drohen und sie friedlich mit ihren Nachbarn leben können.

Seit 1999 haben Frauen in Tansania das Recht, selbst Land zu erwerben und vor allem zu erben. So steht ihnen z.B. im Falle einer Scheidung oder des Todes des Mannes das Recht zu, eigenes Land zu erhalten bzw. zu behalten. Die Regierung ist jedoch ihrer Verpflichtung nicht umfassend nachgekommen, die unterschiedlichen Gerichtsinstanzen, besonders die auf dem Land, die Behörden und die Bevölkerung darüber aufzuklären. Außerdem liegen viele Gesetzestexte nur in Englisch vor, was vor allem in den ländlichen Gebieten zu schwer lösbaren Verständigungsschwierigkeiten führt. 

In Dorfversammlungen wird über Frauen- und Kinderrechte aufgeklärt

In dieser Lücke setzt MOHLA's Arbeit an. Sie führen Schulungen durch und übersetzen Gesetze vom Englischen in Suaheli, bzw. in die Lokalsprache. Dies wird von den örtlichen Regierungsvertretern und Behörden sehr geschätzt und begrüßt, eine finanzielle Unterstützung für diese Aufgaben, die eigentlich von staatlicher Seite erfüllt werden müssten, erfolgt aber bisher nicht.

Seit 2013 hat MHOLA in der Distriktstadt Muleba eine Zweigstelle eröffnet. In dieser ländlichen Region sind sie schon seit Jahren durch die vielfältigen Aktivitäten ihrer haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen innerhalb der dortigen Bevölkerung gut verankert. Wie in Bukoba  ist ihre Tätigkeit: Die Rechtsberatung besonders für die Frauen;  Schulung für die Dorfgerichte;  Betreuung der  Waisenkinder; Beratung der Bevölkerung in Ernährungs- und Gesundheitsfragen; Schulungen der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.  Ein eigenes Haus mit Büroräumen bedeutet nun, dass die Wege für die Klientinnen im Falle einer juristischen/anwaltlichen Beratung nicht mehr so weit und teuer sind wie bis in das 70 km entfernte Bukoba.

New building in MulebaEin weiterer Vorteil ist, dass die Ausgaben für die Anmietung von Räumen z.B. für die verschiedenen Schulungen verringert werden. Perspektivisch ist als Einnahmemöglichkeit die Einrichtung eines Kopier-, Computer- und Internetzentrums gedacht, da es dies in dieser Kleinstadt noch nicht gibt.

Weitere wichtige Arbeitsgebiete sind für MHOLA die Armutsbekämpfung, Gesundheitsaufklärung und Betreuung von Waisenkindern. Ihr Konzept ist, dass die Kinder nicht in einem Waisenheim untergebracht werden sondern in der Dorfgemeinschaft verbleiben, entweder bei Verwandten oder anderen geschulten Betreuungspersonen, die eine Unterstützung erhalten. Die Kinder besuchen den örtlichen Kindergarten bzw. die Schule, erhalten Kleidung und Essen. Verantwortliche in den Dörfern wie Lehrer, Dorfvorsteher, Politiker, Kirchenleute werden für diese Anliegen gewonnen und fungieren als Multiplikatoren. Eigens dafür werden sie von MHOLA Mitarbeitern geschult. Sie geben ihnen Anregungen, stärken ihre Fähigkeiten und ermutigen sie, ihre Anliegen und Probleme sowie die ihrer Mitmenschen selbst in die Hand zu nehmen und tätig zu werden, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Dazu gehören einige große Herausforderungen: neue Einkommen schaffende Maßnahmen zu suchen wegen der Überfischung des Viktoria-Sees und Auslaugung der landwirtschaftlichen Flächen, Verbesserung der Gesundheits- und Ernährungssituation, sowie ökologische Initiativen, z.B. Baumpflanzungen. So schließt sich die Sichtweise von MHOLA zu einer ganzheitlichen Perspektive.

Aus der alltäglichen Arbeit: Frauenrechte durchsetzen

Die folgende Beispiel ist aus dem breiten Spektrum von Fällen, in denen MHOLA hinzugezogen wird. Neben Auseinandersetzungen um Land und Erbschaften geht es dabei auch immer wieder um kriminelles Verhalten Einzelner und das Versagen der zuständigen Behörden, inklusive Polizei und Gerichte.

Frau J. wurde jung Witwe, als ihr Mann, ein Lehrer, vermutlich an Alkoholmissbrauch starb. Sie haben vier Kinder, drei davon noch in der Grundschule. Der Schwiegervater, der einen seiner anderen Söhne durch einen frühen Tod verloren hatte, beschuldigte seine Schwiegertochter des Mordes und vertrieb sie vom ehelichen Haus und Hof. Frau J. kam mit ihren Kindern im sehr armen Haushalt ihres Onkels unter, wo besonders die Kinder an der Mangelernährung litten. Als dann noch der Schwiegervater sie wegen Vernachlässigung von Haus und Hof vor dem Dorfgericht verklagte, kam sie zu MHOLA. Ein Gespräch mit dem Richter ergab, dass dieser aus Mangel an juristischer Kompetenz und mangelnder Selbstbehauptung gegenüber dem mächtigen Schwiegervater den Fall nur hinauszögern, aber nicht für Frau J. entscheiden wollte. So verstrich eine Erntezeit nach der anderen. Deshalb suchten Mitarbeitende von MHOLA zusammen mit der Menschenrechtsarbeitsstelle der lutherischen Kirche einen außergerichtlichen Weg. Sie bereiteten in einer Reihe von Besuchen das Feld für ein Versöhnungsgespräch vor und erreichten, dass Frau J. wieder in den Clan aufgenommen wurde, in das Haus zurückkehren konnte und wieder ihre Felder bestellt. Außerdem halfen sie ihr beim Antrag auf Witwenrente, und nun, drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, gehen die Kinder von Frau J. wieder in die Schule und werden täglich satt. Ihr Ältester ist inzwischen in der Sekundarschule.

Aktuelle Informationen über das Projekt finden Sie auf unserem Blog: blog.dieschwelle.de

Info

Land:
Tansania

Thema:
Soziale Gerechtigkeit / Menschenrechte

Gründung:
2007

Zusammenarbeit seit:
2011

Hauptamtliche MA:
10

Ehrenamtliche MA:
146

Webseite:
http://mhola.org

Adresse:
MHOLA
P.O. Box 1240
Bukoba
Tansania

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