FENIX: Würde und Teilhabe für alle Menschen in Bosnien

Das Zentrum Fenix im Norden Bosniens

FENIX hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in Sanski Most Würde und Teilhabe zurückzugeben. Sie unterstützen vorbildlich, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit und auf Augenhöhe in akuten Notlagen, während der Schwangerschaft, bei der Geburt, in der frühen Kindheit und im Alter.

Anfang der 1990er Jahre stand Bosnien-Herzegowina wegen des dortigen Krieges im Mittelpunkt öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit ist abgeklungen, doch viele Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen sind die Folgen des Krieges für die Menschen in Bosnien-Herzegowina noch spürbar.

Seelische Verletzungen und Leid durch zerrüttete Familien sind geblieben. Soziale Zusammenhänge sind oft zerstört, weil Verwandte geflüchtet sind und jetzt über die ganze Welt verstreut leben. Zurückgeblieben, ohne Perspektiven, sind vor allem alte, arme, kranke und pflegebedürftige Menschen, meist ohne Angehörige – in einer Gesellschaft, in der familiäre Selbsthilfe einst die wichtigste Säule sozialer Absicherung war.

Kommt der Besucher – egal welcher Herkunft und welchen Alters – auf das Projektgelände, so wird er sich auf einer Insel fühlen, auf der er jederzeit freundlich willkommen geheißen wird. Spürbar ist, dass hier – mitten in einem gespaltenen Staat – ein gutes Zusammenleben sichtbar und spürbar wird und nachhaltige Hilfe erfahrbar.

FENIX bietet ein umfangreiches Hilfsangebot

Neben dem Eingangsbereich befindet sich der Speiseraum, in dem entweder eifrig für das Mittagessen geschnippelt wird oder fern gesehen oder zur Essenszeit kein Platz frei ist und lebhaftes Gespräch herrscht – hier bekommen Arme, vor allem Alte, ihre tägliche Mahlzeit und oft genug auch die Zuwendung, die ihnen das Alleinleben leichter macht. Als Folge der Kriegsgeschehnisse sind viele ältere Menschen sich selber überlassen. Armut, Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Einsamkeit prägen ihren Alltag. Auch andere Mitbürger sind auf die Hilfe angewiesen, da durch die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemein schwere soziale Situation viele Menschen hilfsbedürftig sind. „Die Menschen leben meist ohne jedes Einkommen in schrecklichen Verhältnissen, die man sich bei uns nicht vorstellen kann: Keine Heizung, keine medizinisch-pflegerische Versorgung – nichts, und die Angehörigen sind irgendwo im Ausland.“, berichtet Claus Bulling.

FENIX hat ein vielfältiges Netz entwickelt: Mit dem Essen für Senioren werden 120 Personen erreicht. Es gibt Essen auf Rädern für Kranke und immobile Senioren, ein betreutes Seniorenbad und ärztliche Betreuung auch in entlegenen Dörfern. Weiter bietet FENIX Lebensmittelpakete, Hygieneartikel, Haushaltswaren, gebrauchte Kleidung, Babyausstattung und vieles mehr, das zum Alltag gehört.

Entstanden ist auch ein Altenheim, das in Bosnien Vorbild ist und wirtschaftlich unabhängig von dem Sozialprojekt, das aber Plätze für Bedürftige hat, deren Angehörige nicht zahlen können und von dem gleichen Geist getragen ist.

Einmalig in Bosnien ist auch die ganzheitliche Betreuung und Begleitung von Müttern und Kindern. Es ist FENIX ein besonderes Anliegen Frauen und Familien in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in den ersten sensiblen Lebensjahren des Kindes beizustehen. FENIX stärkt das Selbstvertrauen und die Eigeninitiative von Frauen durch Einzelberatung, Kurse und Hausbesuche. Dabei werden immer die Väter mit einbezogen. Damit wird FENIX auch zu einer Insel vorbildlichen Umgangs mit Schwangerschaft, Geburt und Familie in einer Gesellschaft, in der das alte Modell medizinischer Versorgung alternativlos erscheint.

In seinen Seminarräumen bietet FENIX in diesem Sinne Fortbildungen für Menschen an, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Eine Seminarreihe  zur Weiterbildung für Hebammen und Krankenschwestern läuft in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Frau und Gesundheit (Schweiz), um Klinikpersonal weiter zu bilden, die Hebammentätigkeit aufzuwerten und die Geburtshilfe zu humanisieren.

Leider geht der Staat – trotz vieler Versuche seitens FENIX – im Gesundheitsbereich kaum in die Verantwortung.

Es gibt im Haus auch eine Kindergruppe namens Schmetterling. Hier haben die Kinder einen sicheren Ort zum Spielen und machen Erfahrungen in einem Mehrgenerationenhaus.

FENIX neues biologisches Gartenprojekt

Die Gärten sind  wichtige Ressourcen für Wirtschaft und Küche des Hauses, aber – wie alles hier – zugleich auch Modell für ein anderes Leben und Umgehen mit der Natur. Behinderte, Alte, Freiwillige, Käufer  und Besucher schauen mal vorbei oder fassen mit an. Am Rande von Feldern und Gewächshäusern findet so manches Gespräch über ökologischen Anbau, das Wetter oder das Leben statt. Seit 2003 nutzt FENIX die Grünflächen rund um das Zentrum landwirtschaftlich, die Fläche beträgt 9.200 m2. Es werden unter anderem Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl und Rüben produziert, es gibt eine große Anlage mit Obstbäumen und in zusätzlichen Gewächshäusern werden Tomaten und Paprika geerntet. Die biologisch erzeugten Produkte kommen der Altenküche zugute, Überkapazitäten werden auf dem lokalen Markt verkauft. So ist die Gartenproduktion Selbstversorgung, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, ein Vorbild für umweltfreundlichen Anbau und Möglichkeit der Teilhabe.

FENIX als Insel der Hoffnung

So ist FENIX  eine Hoffnungsinsel in vielerlei Hinsicht Der Verein arbeitet unabhängig von ethnischer und religiöser Zugehörigkeit der Versorgten: Bosnischen Muslimen wird ebenso geholfen, wie katholischen Kroaten oder orthodoxen Serben. „Das Ziel von Fenix ist, das Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen dort wieder so reibungslos zu gestalten, wie in der Zeit vor dem Krieg.“, betont Claus Bulling.

FENIX engagiert sich für die Menschenwürde jedes Individuums, die Gleichheit der Geschlechter und für Liebe und Wärme im Familienleben, ökologisches Wirtschaften, ein humanes Gesundheitswesen  und eine Gesellschaft, in der jeder Mensch würdig und willkommen ist.

Wir von der schwelle sind froh, Teile dieses Modells mit Geld, Rat und Freundschaft mittragen zu können.