INTeRo Centar: Menschrechtsarbeit in Kroatien

Für viele Kroatinnen und Kroaten ist die Zugehörigkeit zu Glaubensgemeinschaften eine wichtige Selbstverständlichkeit in ihrem Leben. Lesben, Schwule, Trans* (LGBTQ+) werden nach ihren Outings sehr oft aus den Gemeinden ausgeschlossen, von Familien verstoßen und gesellschaftlich diskriminiert. Das INTeRo Centar in Rijeka bietet LGBTQ+ Menschen einen Ort des Austauschs. Und trägt Homosexualität und Spiritualität in Kirchen und Gesellschaft.

LGBTQ+ Christinnen und Christen halten in Kroatien oft ihre Sexualität geheim um Teil ihrer Kirchengemeinden bleiben zu können und auch um Spott und Ausgrenzung zu vermeiden. Das bedeutet ein Leben in ständiger Angst, mit falschen Kompromissen und als Folge davon Abhängigkeiten, Depressionen und Selbstmord. Viele sind aus der Kirche ausgetreten, da sie keinen Weg sehen, ihren Glauben und ihre Sexualität zu verbinden. Säkulare LGBTQ+ Organisationen wehren sich gegen die Diffamierungen der Kirchen und wehren als Folge Spiritualität grundsätzlich ab. Gläubige Homosexuelle finden so keinen Platz in der Gesellschaft.

Zwar gibt es in Kroatien seit kurzem ein Gesetz, dass LGBTQ+ Menschen ermöglicht Lebenspartnerschaften einzugehen, doch die konservative Partei versuchen mit Unterstützung der Kirchen immer noch dieses Gesetz zu ändern. Die Aussicht auf die Akzeptanz von LGBTQ+ Leuten in Kroatien ist ziemlich labil.

 

Mihael Secen und Neda Popović vom INTeRo Center in Rijeka, die seit vielen Jahren Seminare, Gruppen und Einzelgespräche zu gewaltfreie Kommunikation, Umgang mit Kriegstraumata und Gewaltfreiheit, anbieten, füllen diese Lücke in der kroatischen Gesellschaft. Sie bieten LGBTQ+ Leuten die ihre Spiritualität schätzen, deren Eltern und FreundInnen und Bekannten, Unterstützung an. Auf Grundlage von Gewaltfreiheit möchten sie den wertschätzenden Dialog fördern und dazu beitragen, dass alle Seiten gehört und ernst genommen werden. Sie möchten entmystifizieren: aufzeigen, dass Spiritualität keine konservative Einstellung bedeuten muss und dass Christsein nicht mit heterosexuell gleichgesetzt werden kann. Dazu bieten sie Gespräche und Gruppen an, gehen in Kirchengemeinden und informieren in den Medien.

Gruppe UnschätzbarIn dem Projekt „Unschätzbar“ treffen sich LGBTQ+ Menschen um sich auszutauschen, Kraft zu geben und eine spirituelle Heimat zu finden. Sie feiern Ostern und Weihnachten zusammen, wenn sie keinen Ort in der Familie haben. Das ist der Platz, wo sie sich angenommen fühlen, so wie sie sind, mit ihrer Sexualität, ihrer Spiritualität (oder ihrem Atheismus), ihren Fragen und Zweifel und ihrer Lebensfreude.