Generation Allah - Vortrag in der Reihe: Sind wir im Krieg?

    Wieso wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen. Ein Vortrag von Ahmad Mansour, Psychologe, arabischer Israeli, arbeitet für Projekte gegen Extremismus, u. a. bei HEROES, einem Projekt gegen Unterdrückung im Namen der Ehre und für Gleichberechtigung, und bei HAYAT, einer Beratungsstelle für Deradikalisierung.

    Vortragsreihe der Bremer Arbeitsgruppe für Psychoanalyse und Psychotherapie:

    "Sind wir im Krieg?" Zur psychosozialen Funktion des Krieges.

     ‘s ist leider Krieg! - und ich begehre nicht schuld daran zu sein! Matthias Claudius, 1778

    Im 18. Jahrhundert schreibt Matthias Claudius sein Kriegslied. Gloriole und Elend des Krieges werden eingerahmt durch ein „.. ich begehre nicht schuld daran zu sein!“, Ausdruck eines bedrängenden Verdachts, an der Geschichte der eigenen Zeit mitschuldig zu sein.

    Und heute? Über sechs Jahrzehnte sind wir in Deutschland vom Krieg auf eigenem Territorium verschont geblieben. Dennoch ist Krieg allgegenwärtig, medial und emotional. Krieg und Kriegsfolgen sind in unserer Gesellschaft angekommen. In veränderter Form, globalisiert wie regionalisiert, als Hass, Terror, Drohnenkrieg, Cyberwar,… sprengt er Grenzen. Grenzen überschreitend sind auch seine Folgen – über fünfzig Millionen Menschen sind auf der Flucht; ganze Staaten und Regionen sind von Verelendung und Zusammenbruch bedroht.

    »Sind wir im Krieg…?« ist also eine rhetorische Frage! Nicht rhetorisch sind Fragen nach Funktionen des Krieges, nach Mitschuld und nach Verantwortlichkeiten. „Kriege werden gemacht...und um gemacht zu werden, müssen sie gewünscht sein.“ (Mentzos, 2002)
    Die Bedingungsgefüge sind komplex, eine Mischung aus ökonomischen, politischen und psychosozialen Faktoren. Die Wirkmächtigkeit unbewusster Dynamik hierbei ist unabweisbar.

    Als solche beschreibt Stavros Mentzos „die Annahme einer narzisstischen Pseudostabilisierung von Individuen und Gruppen (z. B. Ethnien) durch den Krieg und die Annahme eines pathologischen, kollusiven, psychosozialen Arrangements zwischen den Bedürfnissen der in den Krieg involvierten Vielen und den egoistischen Interessen samt der Psychopathologie der Machteliten…"

    In diesem Kontext ist die Vortragsreihe ein Beitrag zu einem vertiefenden Verständnis „der anachronistischen Institution »Krieg«“.

    Fakten

    Ort: Haus der Wissenschaft, Bremen
    Datum: 16.6.
    Zeit:
    20.30 Uhr
    Veranstalter: BAPP