Pressemitteilung: Gewinner des Bremer Friedenspreises 2017

Bremen, 19.7.2017. Internationaler Bremer Friedenspreis 2017 geht an Anti-Mafia-Initiative, Maori-Aktivistin und kongolesischen Kriegsgegner.  

Stiftung die schwelle verleiht Auszeichnung am 17. November im Rathaus

Die Gewinner des 8. Internationalen Bremer Friedenspreises der Stiftung die schwelle stehen fest. Die mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Auszeichnung geht in diesem Jahr gleichrangig an eine Anti-Mafia-Initiative aus Süditalien, eine indigene Umwelt- und Friedensaktivistin aus Neuseeland, und einen ehemaligen kongolesischen Kindersoldaten, der zum Friedensarbeiter wurde. Der Preis wird am 17. November im Bremer Rathaus verliehen. Schirmfrau der Veranstaltung ist Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert.

Als „Ermutigende Initiative“ wird das sizilianische Netzwerk Addiopizzo („Tschüss Schutzgeld“) ausgezeichnet. Addiopizzo ist ein zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss von mehr als tausend sizilianischen Geschäften, die sich den Schutzgeldzahlungen der Mafia widersetzen und dies auch im Stil eines Fair-Trade-Labels publik machen. Somit können Verbraucher diese Geschäfte gezielt mit ihrem Einkauf unterstützen. Das Netzwerk koordiniert zudem rund 40 Ehrenamtliche, die regelmäßig Schulen besuchen. Dort sensibilisieren sie Kinder und Jugendliche frühzeitig für die gesellschaftlichen Probleme, die durch das kriminelle Handeln der Mafia entstehen. Die Arbeit von Addiopizzo wirkt in vielen Bereichen der sizilianischen Gesellschaft wie ein Weckruf. Denn das solidarische Prinzip von Addiopizzo macht deutlich: Es gibt Alternativen zu der weit verbreiteten Praxis, mafiöse Strukturen aus Angst vor Gewalttaten zu unterstützen. Über die Vergabe des Preises für die „Ermutigende Initiative“ konnten erstmals Spender entscheiden, die die Arbeit der Stiftung die schwelle unterstützen.

Ebenfalls ausgezeichnet wird die neuseeländische Friedens- und Umweltaktivistin Pauline Tangiora. Als Angehörige der Maori verbindet sie das Stammeswissen ihrer Ahnen mit der Botschaft, die Erde zu schützen und zu bewahren. Immer wieder ruft sie zu einem Bewusstseinswandel der Menschheit auf, indem sie die ganzheitliche Sicht der Maori auf nationalen und internationalen Konferenzen darlegt. Zugleich macht sie sich hartnäckig für die Rechte indigener Völker stark – mit Erfolg. Im November 2016 hat sich der neuseeländische Staat bei den Maori für Landraub und Zerstörung ihrer Kulturen entschuldigt und ein Abkommen unterzeichnet, das eine Ausgleichszahlung und soziale Unterstützung beinhaltet – 30 Jahre nachdem Pauline Tangiora eine entsprechende Kampagne gestartet hatte. Ein Ereignis mit Symbolcharakter, denn es zeigt: Koloniale Schuld muss nicht stillschweigend unter den Teppich der Geschichte gekehrt werden, wie es in Deutschland lange Zeit im Umgang mit dem Völkermord an den Herero und Nama in Namibia geschehen ist: Verantwortung einzufordern ist eine Chance. Verantwortung zu zeigen ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit.

Ein weiterer Preis geht an den kongolesischen Friedensarbeiter und ehrenamtlichen UN-Botschafter Junior Nzita, der sich mit großen Engagement gegen die grausame Praxis stark macht, Kinder in Kriegen kämpfen zu lassen. Er selbst wurde als 12-Jähriger aus einem Internat entführt und war zehn Jahre lang in die gnadenlosen Befehlsstrukturen der Kongolesischen Befreiungsarmee AFDL eingebunden, bevor er 2006 demobilisiert wurde. Trotz schwerer Traumata gelang es ihm, das Abitur nachzuholen und eine Ausbildung zum Sozialarbeiter zu absolvieren. Seine Kriegserfahrungen schildert er in dem Buch „Wenn ich mein Leben als Kindersoldat erzählen könnte“, das mittlerweile in acht Sprachen erschienen ist. Mit dem Erlös unterstützt er die von ihm gegründete Hilfsorganisation „Paix pour l‘Enfance“ („Frieden für die Kindheit“), die sich um ehemalige Kindersoldaten kümmert und ihnen die Möglichkeit gibt, die Schule zu besuchen oder eine landwirtschaftliche Ausbildung zu absolvieren. 

Über den Internationalen Bremer Friedenspreis der Stiftung die schwelle:

Mit dem Internationalen Bremer Friedenspreis ehrt die Stiftung die schwelle seit 2003 alle zwei Jahre Menschen und Organisationen, die Vorbild sind im Einsatz für Versöhnung, Menschenrechte, Überwindung von Rassismus, für soziale Gerechtigkeit und nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt sowie für interkulturelle und interreligiöse Verständigung. Der Preis wird alle zwei Jahre an eine Initiative und zwei Einzelpersonen vergeben. Die drei Auszeichnungen sind gleichrangig und mit jeweils 5000 Euro dotiert. Schirmfrau des Internationalen Bremer Friedenspreises ist Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert, sie hatte das Ehrenamt 2013 von Altbürgermeister Hans Koschnick übernommen. 
Weitere Informationen über den Preis, die Gewinner und weitere preiswürdige Personen und Projekte sind unter www.dieschwelle.de/friedenspreis zu finden.

Ansprechpartnerin für Rückfragen:

Petra Titze
Geschäftsführerin Stiftung die schwelle 
Telefon: 0421 - 30 32 - 577
petra.titze@dieschwelle.de

Pressemitteilung: Gewinner des Bremer Friedenspreises 2017

Zur Stiftung die schwelle


Die Bremer Stiftung die schwelle wurde 1979 von dem Bremer Stauerei unternehmer Dirk Heinrichs und seiner Frau Ruth-Christa gegründet, 1994 wurden Wiebke und Reinhard Jung Mitstifter. Derzeit unterstützt die Stiftung unter anderem Projekte in Südosteuropa, West- und Zentralafrika, Israel und Palästina und in Bremen.

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