Jacqueline Flory: Geflüchteten vor Ort helfen im Libanon

Friedenspreis 2021: Preisträgerin "Friedensarbeit an der Basis"

„Wir sehen es nicht als Lösung an, Menschen aus ihrer Region und Kultur zu entwurzeln und sie weit weg von ihrem Zuhause zu einem Neuanfang zu zwingen. Ganz im Gegenteil. Seit Jahren ermöglichen wir Geflüchteten, in ihrer Region möglichst sicher und möglichst gut versorgt das Kriegsende abzuwarten.“ Das ist die Überzeugung von Jacqueline Flory.

Jacqueline Flory ist Übersetzerin, Autorin und alleinerziehende Mutter aus München. Menschen, die sie kennen, beschreiben sie als "Macherin". Sie ist aktiv und engagiert sich – so z.B. im Elternbeirat der Grundschule, die ihre Kinder besuchen.

Im Jahr 2015, als Tausende von Menschen, vor allem aus Syrien, nach Deutschland flüchten, ist es ihr damals sechsjähriger Sohn, der letztlich den Anstoß gibt, etwas für die Geflüchteten vor Ort zu tun. Sein Satz "Schade, dass man  da nichts tun kann", motiviert Jacqueline Flory dazu, ihm, sich und allen anderen das Gegenteil zu beweisen.

Noch im selben Jahr startet sie eine Initiative, die den Menschen in ihrem Herkunftsland bzw. im Land, in dem sie Zuflucht suchen, hilft. Sie unterstützt geflüchtete Menschen sowohl im benachbarten Libanon als auch in ihrem Heimatland Syrien und erspart ihnen dadurch eine lebensgefährliche Flucht in das vermeintlich sichere Europa.

Aus der  Initiative entsteht der Verein "Zeltschule e.V." Seit 2016 entstehen fortwährend neue Schulen für geflüchtete Kinder. Sie legt großen Wert darauf, dass nach syrischem System unterrichtet wird, dass sowohl Jungen als auch Mädchen die Schule besuchen dürfen und dass es am Ende eines Schuljahres einen anerkannten Jahresabschluss gibt.

Inzwischen betreut der Verein "Zeltschule e.V." 30 Schulen und mehr als 7000 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren im Libanon und Syrien. Außerdem werden mehr als 25.000 Menschen mit Lebensnotwendigem versorgt: Die Kinder und ihre Familien erhalten eine Grundversorgung mit lebensnotwendigen Gütern. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder überhaupt die Schulen besuchen können, denn erwachsene Syrer dürfen im Libanon kein Geld verdienen. Viele Familien schicken daher ihre Kinder zur Feldarbeit, denn Kinderarbeit wird nicht geahndet.

In den Camps wurden Suppenküchen und Bäckereien eingerichtet, in denen die geflüchteten Menschen als Köch*innen und Bäcker*innen zur Versorgung der Gemeinschaft beitragen können.

Auch für Erwachsene sind inzwischen Bildungsangebote geschaffen worden, um ihnen Perspektiven für eine spätere Rückkehr in ihre Heimat zu vermitteln. So gibt es Alphabetisierungskurse und Handarbeitswerkstätten. Die dort hergestellten Produkte werden durch den Verein in Deutschland verkauft.

Heute beschäftigt der Verein Zeltschule e.V. drei festangestellte Mitarbeiter*innen. Jacqueline Florys Engagement zieht Kreise, denn die Friedensaktivistin ermutigt in Interviews und Vorträgen, es ihr gleichzutun und umfassend und nachhaltig zu helfen.