"...dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung"

Beim 70jährigen Jubiläumsfest von Church & Peace 2019, gab Mihael Sečen von unserer kroatischen Partnerorganisation INTeRo einen Predigtimpuls zu Jeremia 29,11: "Was also bedeuten diese Worte heute für mich? Es bedeutet, mich selbst herauszufordern, wenn ich Angst habe, einen weiteren Schritt zu gehen und eine Herausforderung anzunehmen, auch wenn ich mich vielleicht so fühle, als sei ich nicht genug."

Mein Name ist Mihael Sečen. Ich komme aus Kroatien und arbeite für INTeRo Center - Verein für Bildung, Beratung und gewaltfreie Aktion. Ich bin hier mit meiner Freundin und Kollegin Neda Popović und wir sind beide Mitglieder von Church & Peace.

Als Antje Heider-Rottwilm, die Vorsitzende von Church & Peace, mich bat, ein paar Gedanken über den Text von Jeremia zu äußern, dachte ich: "Großartig, kennt Antje mich doch mehr, als ich dachte? Sie bat mich, etwas über die Worte des "weinenden Propheten" zu sagen. Woher wusste sie, dass ich ihm so gut nachempfinden kann? Diejenigen von euch, die mich kennen, wissen, wovon ich rede.

Wie auch immer, ich las die Worte und sah, dass es nicht um Not, Traurigkeit oder Untergang geht. Es geht um Frieden, Hoffnung und Zukunft.

Jeremia wird manchmal auch als "Prophet des Untergangs" bezeichnet. Wenn man sich ansieht, was um uns herum geschieht in Sachen Politik, Klimawandel, Kriege und 68,5 Millionen gewaltsam Vertriebenen auf der ganzen Welt, dann ist es leicht, über den Untergang zu sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass Jeremia sich so fühlte, während er das Böse seiner Zeit ansah und versuchte, seinem Volk eine andere Botschaft zu vermitteln. Inmitten all dessen spricht Gott von Frieden, Hoffnung und Zukunft.

Das bringt mich dazu, mir die Frage zu stellen: "Was hält mich davon ab, Gottes Verheißung von Frieden, Hoffnung und Zukunft zu leben und zu verbreiten?"

Ein großes Gefühl, mit dem ich so oft zu kämpfen habe, wie auch Jeremiah, ist die Angst. Und ausAngst kommen so oft nur Worte des Verderbens, die noch mehr Angst verbreiten.

Tali Sharot, eine Neurowissenschaftlerin vom University College London, und ihr Team haben untersucht, was Angst den Menschen antut. Eine der Schlussfolgerungen ihrer Forschung war: "Angst ist ein starker Motivator für Untätigkeit." Was zum Handeln anregt, sind positive Rückmeldungen. Es geht darum, die Hoffnung, die Bemühungen, die wir für den Frieden unternehmen, und den Beitrag, den wir zu einer besseren Zukunft leisten, anzuerkennen und zu würdigen. Die Frage, die ich mir stellen muss, ist also: "Welche Angst hält mich heute auf?" Und versteht mich bitte nicht falsch, Angst ist nicht immer etwas Irrationales. Es kann echte Angst sein, weil es echte Bedrohungssituationen gibt. Die Herausforderung besteht darin, diese Angst zu erkennen und eine bewusste Entscheidung darüber zu treffen, was ich tun will.

Eine weitere Tatsache, die mich so oft vom Handeln abhält, ist das Selbstbild der Mangelhaftigkeit. Auch hier dürfen wir davon ausgehen, dass Jeremia damit zu kämpfen hatte, wenn er sagte: "...ich kann nicht sprechen, denn ich bin ein Kind…" (Jeremia 1, 6). Ich bin nicht genug, ich kann nicht genug tun, ich weiß nicht genug. Ich werde so oft in die Spirale gezogen, in der ich mich meine Bemühungen mit den Bemühungen anderer vergleiche. Wenn ich mich mit meinen Freunden, Kollegen und Teamkollegen, die ich bewundere, vergleiche, finde ich in vielen Dingen Inspiration, aber dann so oft verurteile ich mich auch selbst. Die Folgen sind der Verlust des Friedens, das Verblassen der Hoffnung und eine verschwommene Sicht auf die Zukunft. Ich kann mich nicht mehr als Teil eines größeren Bildes sehen. Besonders wenn ich keine sofortige Veränderung sehe, werde ich so leicht entmutigt und wertend gegenüber meinem Handeln.

Was also bedeuten diese Worte heute für mich? Es bedeutet, mich selbst herauszufordern, wenn ich Angst habe, einen weiteren Schritt zu gehen und eine Herausforderung anzunehmen, auch wenn ich mich vielleicht so fühle, als sei ich nicht genug. Und vielleicht werde ich niemals so sein wie jemand, zu dem ich aufblicke, aber ich habe das Beste getan, was ich in einem bestimmten Moment konnte, nämlich Mihael Sečen zu sein. Dies ist der beste und einzige Weg, um den Frieden, die Hoffnung und die Zukunft Gottes zu leben und zu verbreiten.

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