Denkmäler für Deserteure

Im Kontext von Nachrüstungsdebatte und Friedensbewegung kam zu Beginn der 1980er Jahre in zahlreichen Städten die Forderung nach der Errichtung von Denkmälern für Deserteure auf. Das kontrastierte scharf mit der bisherigen Sichtweise auf Deserteure: Bis dato wurden sie in der Öffentlichkeit als Feiglinge, Drückeberger und Vaterlandsverräter betrachtet.

Das Buch Marco Drägers thematisiert nicht allein die Errichtung solcher Denkmäler in den letzten ca. 30 Jahren, sondern auch den öffentlichen Diskurs über das Phänomen Desertion − insbesondere im Kontext der Rezeption des Nationalsozialismus. Die Studie analysiert den Wandel dieses Diskurses. Er ging von der Friedensbewegung aus und führte zu einer grundsätzlichen Neubewertung der Wehrmacht-Deserteure in Politik, Justiz, Wissenschaft und Gesellschaft, so dass diese zeitweise gar als Vorbilder galten und nun als Opfer nationalsozialistischer Gewalt anerkannt und mittlerweile vollständig rehabilitiert sind.

Für den Sammelband ‚Formulas for Betrayal: 'Traitors, Deserters, Collaborators in European Politics of Memory' (Formen des Treuebruchs: Verräter, Deserteure, Kollaborateure in europäischer Erinnerungspolitik) hat der Autor einen Aufsatz verfasst, dessen Übersetzung die schwelle bezuschusst hat.