Den Frieden feiern

Internationale Friedenswoche in Sanski Most. Eingeladen hat unsere Partnerorganisation das Center for Peacebuilding – CIM (Centar Za Izgradnju Mira) aus Nordbosnien und es kamen auch die anderen Projektpartner aus der Region: Mihael Sečen und Neda Popović von INTeRo aus Kroatien, Ana und Otto Raffai von RAND aus Kroatien.

Friedensarbeit in Bosnien ist immer mit etwas Skepsis behaftet. Umso wichtiger ist es Mevludin Ramanović und Vahidin Omanović von CIM, dass Jahr für Jahr dieses Zeichen gesetzt wird: unabhängig von der Anzahl der Anmeldungen und der möglichen Referent*innen, findet die Friedenswoche sichtbar im Stadtzentrum von Sanski Most statt. Eingeladen sind alle, es kommen die wenigen Engagierten, die das Zusammentreffen von internationalen Friedensaktivist*innen als Auftanken erleben. Dieses Jahr waren dies einige junge Leute aus Deutschland vom „Project Peace“ aus dem Allgäu, langjährige Wegbegleiter*innen von CIM, einige junge Friedensbewegte aus Bosnien und wir von der Stiftung die schwelle.

Wir begannen damit, im "Fishbowl" über Erfolge und Misserfolge unserer Friedensarbeit zu berichten und ließen uns von der Energie tragen, die aus dem gemeinsamen Teilen der vielen kleinen Schritte, die an so vielen verschiedenen Orten stattgefunden haben, entstand.

Judge Patricia Whalen mutete uns viel zu, als sie von ihrer Arbeit als Richterin (von 2012 – 2017) in der Kammer für Kriegsverbrechen am Gericht von Bosnien und Herzegowina berichtete, dem arbeitsreichsten Kriegsverbrechergericht der Welt. Sie fragte, was eine Gesellschaft für Versöhnung brauche – wir kamen auf Gerechtigkeit und Wahrheit, und sie fragte, wie Gerechtigkeit aussehen könne. Schwierige Fragen in einem geteilten Land, in dem immer noch Massengräber des Krieges aus den 1990er Jahren entdeckt werden, Kriegsverbrecher als Helden verehrt und eine gemeinsame Aufarbeitung der Vergangenheit nicht in Sicht ist.

Am nächsten Morgen besuchten wir das Identifikationszentrum, in dem die Leichen aus den Massengräbern identifiziert werden. Eine Arbeit, die auch 23 Jahre nach Ende des Krieges noch andauert. Die engagierte Mitarbeiterin berichtete von ihrer Arbeit: das unsägliche Grauen des Krieges war so nah, die Friedensarbeit so unsäglich dringend.

Wir brauchten Zeit zum Auftanken.

Seit einiger Zeit hat CIM ein Stück Land gekauft und eine Peace Farm errichtet. Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse und ein Esel leben dort, Familien aus der Stadt arbeiten gemeinsam im Gemüsebeet und nehmen die Ernte mit nach Hause. Ein friedlicher Ort, der mehrfach im Jahr voller Jugendlicher ist, wenn CIM in seiner Jugendarbeit junge Menschen aus allen Teilen Bosniens zusammenbringt und sie oft das erste Mal mit einem bosnischen Serben, einer bosnischen Kroatin oder einem Bosniaken reden. Dann merken sie, dass sie nur gemeinsam etwas in diesem Land verändern können. Dort fanden wir Zeit um ins Gespräch zu gehen, Pilze zu sammeln, zu lachen und Netzwerke zu schmieden.

Wir arbeiteten noch zu Trauma und Versöhnung, Wahrheit, Vorurteilen, empathischem Zuhören, interreligiöser Verständigung und wir feierten den internationalen Tag des Friedens am 21. September mit dem interreligiösen Chor Harmonia. Im nächsten Jahr wird wieder vom 15. bis 21. September, sichtbar in der Kleinstadt Sanski Most, im Norden Bosniens, eine Woche der Frieden gefeiert.

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