Nachruf für Urban Bulling

Urban Bulling mit Adisa Hotic, Leiterin des Zentrums Fenix in Bosnien.

Am 13.3.2013 verstarb Dr. Urban Bulling, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung die schwelle von 1979 bis 2010.

Obwohl er seit Anfang 2010 wegen Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren nicht mehr im Vorstand mitarbeitet, fehlt er uns nicht nur als guter Freund, sondern auch als Mitgründer der Stiftung, als Ratgeber und als aktiver Ehrenamtlicher – ganz besonders in der Bosnien-Arbeit.

Unermüdlich begleitete er seit gut zehn Jahren den Auf- und Ausbau des vorbildlichen Fenix-Zentrum in Sanski Most, das ohne das Engagement der Familien Bulling gar nicht denkbar ist. Einmal im Jahr ging nun schon seit vielen Jahren die Reise von Gisela und Claus, von Kristina und Urban Bulling dorthin, um den Stand der Arbeit mit den GründerInnen vor Ort anzuschauen und zu begleiten. Mit Altenheim, Schwangerenberatung, Seminarräumen, Kindergarten, Ökogarten und Altenküche ist dies Zentrum zum Modellprojekt für eine nachhaltige Sozialarbeit in Bosnien geworden. Die Beratungen mit weiteren an diesem Projekt beteiligten Stiftungen und juristischer Rat waren für Urban ebenso selbstverständlich wie die freundliche Neugier und das Zuhören gegenüber MitarbeiterInnen, Gästen und BewohnerInnen.

Der Kontakt nach Sanski Most kam aufgrund des Engagements der davorliegenden Jahre zustande: Typisch für Urban und seine Frau Kristina war es, dass sie zu Beginn der Kriege im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien 1991 mit den Gründern unserer Stiftung Ruth-Christa und Dirk Heinrichs sofort überlegten, was die Stiftung in dieser Situation tun kann. Eine der Aktivitäten – neben vielen sonstigen Kontakten in dies Gebiet – war es, die Aufnahme vieler Bosnien- Flüchtlinge in Bremen zu organisieren (eine Familie auch im eigenen Haus). Aus der Begleitung der Bremer Flüchtlinge zurück nach Bosnien und der Hilfestellung für einen großen Teil von ihnen, sich in Sanski Most niederzulassen, sind letztlich auch die Fenix-Kontakte erwachsen.

Ob Kuratoriums-Mitgliedern, Kooperations- und ProjektpartnerInnen oder neuen Anfragenden, allen begegnete Urban mit Ruhe, Freundlichkeit, Neugier und großer Wertschätzung. „Hier bin ich richtig“ – so lässt sich wohl das Gefühl beschreiben, das er uns und allen, die ihm begegneten, gab. Nachfragen und kritische Stellungnahmen wurden auf dem Hintergrund eines solchen Vertrauens um so nachdenkenswerter und hilfreicher, gerade auch, wenn die Meinungen auseinander gingen.

Der Beginn seines Engagements in der Stiftung lag lange vor dem offiziellem Gründungsjahr der schwelle 1979, als Dirk Heinrichs mit ihm, seinem Anwalt und Notar, die Satzung schrieb und ihn in den nur dreiköpfigen Vorstand berief. Schon seit 1972 gab es Namens- und Konzeptüberlegungen. Von Anfang an hat Urban Bulling die schwelle begleitet und geprägt.

Wie vielfältig seine Aktivitäten in diesen gut drei Jahrzehnten waren, das hat er selbst Anfang 2009 anlässlich seines formalen Ausscheidens aus dem Vorstand aufgeschrieben: Es lohnt sich diesen "persönlichen Rückblick von Urban Bulling" im Jahresbericht 2009 nachzulesen.

Es ist schwer, die schwelle ohne Urban im Hintergrund zu denken. Er fehlt uns. Wir verdanken ihm sehr viel und sind froh, dass wir viel von ihm mitnehmen, den Familien verbunden bleiben und Kristina weiterhin in unserem Vorstand ist. Urban hat mit uns versucht, den Weg des Friedens zu gehen. Uns tröstet es, darauf zu hoffen und zu vertrauen, dass der, der diesen Weg mit uns zu gehen versprach, uns auch im Sterben und nach dem Tod bei sich birgt.