Nah an den Menschen in Peru: Nury Garcia

Friedenspreis 2013, Auswahlliste

Die Lebenssituation von Menschen nachvollziehen und ihren Bedürfnissen entsprechend verbessern: Das gelingt der peruanischen Soziologin Nury Garcia. Sie ermöglicht arbeitenden Kindern eine Schulausbildung, berät geschlagene Frauen und vermittelt in einem Konflikt zwischen Minenarbeitern und Umweltschützern.

"Alle Menschen sind gleich, aber jeder ist eine eigene Persönlichkeit." So steht es auf einem großen Plakat im Casa Marcelino, einem Haus in der nordperuanischen Kleinstadt Hamachuco. Das Casa Marcelino gehört zum Projekt "Amigo" – spanisch für Freund – in dessen Mittelpunkt arbeitende Kinder und Jugendliche stehen. Auch sie sollen Zugang zu Schulbildung haben, und so hat Projektleiterin Nury Garcia ein lebensnahes Konzept für eine fünfjährige Sekundarstufe entwickelt: Damit die Schüler_innen an Wochentagen arbeiten können, findet der Unterricht nur freitags und samstags statt. Die Inhalte des Unterrichts sind auf die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung ausgerichtet; deshalb steht auch ökologische Landwirtschaft auf dem Stundenplan. 

Um Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit zu stärken, bietet das Casa Marcelino Nachmittagskurse an, in denen über 300 junge Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen und eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln. Sie setzen sich außerdem mit wichtigen Alltagsfragen auseinander – zum Beispiel mit Gewalt in der Familie oder ihren Rechten als arbeitende Kinder. 

Mutige Mittlerin

Nury Garcia bemüht sich auch in anderen Bereichen, die Lebensbedingungen der Region zu verbessern: Sie berät misshandelte Frauen, macht das Problem der häuslichen Gewalt publik und schult Kleinbauern in ökologischer Landwirtschaft. 

Besonders viel Energie steckt sie in die Auseinandersetzung um den „Cerro el Toro“, einen Berg vor den Toren der Stadt. Hier graben etwa 3.500 Männer und Jungen nach Gold. Die Situation ist besonders schwierig, seit ein Bergbauunternehmen 2005 einen Teil des Berges unrechtmäßig besetzte und viele Arbeiter von sich abhängig machte. 

Gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren protestiert Nury Garcia – trotz einer Morddrohung – seit Jahren gegen die zunehmende Verschmutzung des Wassers durch das Unternehmen. 

Die Soziologin sah jedoch nicht nur die Umweltverschmutzung, sondern auch die existentielle Not der illegal arbeitenden Bergleute. Immer wieder forderte sie deshalb eine Legalisierung ihrer Arbeit. Weil Nury Garcia Verständnis für die Situation der Minenarbeiter zeigte, gelang es ihr, eine zweitägige Konferenz mit Repräsentant_innen der Bergleute, der Zivilgesellschaft und der Politik zu organisieren. Die Zusammenkunft war erfolgreich: Heute arbeiten Vetreter_innen aller Gruppen an einem Plan zur Legalisierung der Minen – und zur Durchsetzung von Arbeitsrechten und Umweltschutz.