Witwen für Witwen in Ruanda: AVEGA

Friedenspreis 2013, Auswahlliste

Odette aus AVEGA mit Witwen

Witwen engagieren sich für Witwen: Die ruandische Organisation AVEGA bietet Frauen und Kindern psychologische Unterstützung, Gesundheitsvorsorge, Rechtsberatung und Arbeitsmöglichkeiten. So gelingt es Opfern des Völkermords, sich ein neues Leben aufzubauen.

Ganzheitlich wollten sie arbeiten – und sie haben ihr Ziel erreicht: Die fünfzig ruandischen Witwen, die 1995 die Organisation AVEGA gründeten. Mit fast hunderttausend Mitgliedern und einem stabilen finanziellen Fundament unterstützen sie ihre Landsleute auf vielfältige Weise – durch Traumabewältigung, Gesundheitsversorgung, Arbeitsangebote und Rechtsberatung. Ihre Zielgruppe sind Witwen und Waisen, die unter den Folgen des Genozids von 1994 leiden. Damals töteten Angehörige der regierenden Volksgruppe Hutu fast drei Viertel aller Tutsi im Land. Hintergrund war ein langjähriger Konflikt zwischen der Regierung und der Rebellenbewegung, die von der Minderheit der Tutsi unterstützt wurde.

Die Frauen von AvegaWege in ein neues Leben

Noch heute sind viele Menschen in Ruanda traumatisiert. AVEGA bietet ihnen die Möglichkeit, die Erfahrungen des Völkermords zu bewältigen: Fast vierzig professionelle und etwa 750 freiwillige Berater_innen arbeiten im Traumaberatungsprogramm der Organisation. AVEGA half Tausenden Familien, eine neue Bleibe zu finden oder zerstörte Häuser aufzubauen – eine unerlässliche Voraussetzung für inneren Frieden.

Besonders wichtig ist es den Witwen, Arbeitsplätze für AVEGA-Mitglieder zu schaffen. Über 300 Projekte förderten sie allein 2012. Heute züchten Frauen Schweine und bauen Ananas an, sie betreiben kleine Geschäfte und arbeiten im Gästehaus oder im Erholungszentrum der Organisation.

In den drei Gesundheitseinrichtungen von AVEGA erhalten Frauen und Kinder nicht nur eine regelmäßige Gesundheitsversorgung. Auch ihre Aids-Erkrankungen lassen sie hier behandeln: eine bittere Folge sexueller Gewalt während des Genozids. Heute sind Vergewaltigungen in Ruanda als Kriegsverbrechen anerkannt – AVEGAs Lobbyarbeit sei Dank.

Selbstbewusst und hoffnungsvoll

Die Rechte von Frauen durchzusetzen, ist ein weiteres Ziel der Witwen von AVEGA. Mit ihren fünf Büros sind sie im ganzen Land vertreten. Hunderte von Freiwilligen unterstützen die Organisation – auch bei der Rechtsberatung. AVEGA vertritt die Frauen vor Gericht und bietet ihnen Trainings zu Eigentums- und Eherecht, zu Erb- und Landrecht an. Heute haben viele Witwen den Mut, sich öffentlich für ihre Belange einzusetzen. Sie haben an Selbstvertrauen gewonnen und fühlen sich stark genug - für ein neues, selbst bestimmtes Leben nach dem Völkermord.