SOHRAM in der Türkei geht in den Notbetrieb

Das Projekt SOHRAM setzt seine Arbeit so gut es geht fort, um trotz widriger Bedingungen die von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Flüchtlinge und traumatisierten Menschen auch weiterhin bestmöglich zu unterstützen.

Die Coronavirus-Epidemie hat uns gezeigt, dass "die Welt nicht mehr so zu sein scheint, wie wir sie kannten". Deshalb haben wir unsere Aktivitäten an die neue Situation angepasst. Ich möchte euch über unseren neuen Ansatz zur Bekämpfung von Folter, Misshandlung und Krieg informieren.

Unser letztes Treffen mit unseren Ausschussmitgliedern fand online statt, über WhatsApp. Der Ausschuss nahm folgende Beschlüsse an:

Wir haben uns verpflichtet, zu neuen Formen der Zusammenarbeit und zur Wahrung der Menschenwürde und der Achtung der Unveräußerlichkeit der Rechte beizutragen, die die Grundlage unseres Lebens und unserer Gesellschaften bilden.

Wir werden unsere Informationen weiterhin ohne Unterbrechung mit unseren Partnern teilen.

Um die Beziehung zu den Opfern und Institutionen aufrechtzuerhalten und unsere Dienste fortzusetzen, werden jeden Tag zwei unserer Mitglieder dafür verantwortlich sein, den Verein offen zu halten.

Aufgrund der neuen Situation, die durch den Virus verursacht wurde, sind unter den Nutznießern des Zentrums die Flüchtlinge die am meisten benachteiligte Gruppe. Deshalb planen wir, auf Empfehlung unserer Ärzte und Krankenschwestern, für sie so weit wie möglich Nothilfe wie Nahrung, zusätzliche Babynahrung und Hygieneartikel sowie medizinische Hilfe zu leisten. Da die meisten Flüchtlinge kein Türkisch sprechen, haben wir in Erwägung gezogen, eine Broschüre in arabischer Sprache zu erstellen und zu verteilen, die praktische Informationen zum Schutz vor dem Coronavirus enthält.

Um die Wirkung der Therapien zu gewährleisten, haben unsere Psychologen vereinbart, ihre Beratungen fortzusetzen.

Wie wir in unserem Jahresbericht 2019 erklärten: "Situation in den Gefängnissen: Nach Angaben des Justizministeriums sind in der Türkei insgesamt 286.144 Personen in Gefängnissen inhaftiert, 3.521 davon sind minderjährig (unter 18 Jahren), darunter 112 Mädchen. Diese hohe Zahl wirkt sich negativ auf die Lebensbedingungen in den Gefängnissen aus, deren Kapazitäten weitgehend überschritten sind. Das Problem der kranken Insassen in den Gefängnissen ist seit vielen Jahren akut geblieben...".

Betrachtet man die Haftbedingungen aus der Perspektive der Coronavirus-Epidemie, so kann die Situation in den Gefängnissen der Türkei jederzeit zu einer unkontrollierbaren Epidemie führen. Wir werden die Regierung auffordern, kranke und nicht strafrechtlich verfolgte Gefangene unverzüglich freizulassen, um das Risiko einer Virusinfektion zu verringern.

Die Situation in dem Sondergefängnis für Flüchtlingsgefangene erweist sich als noch schlimmer als die der normalen Gefängnisse. Die Polizei nimmt weiterhin jeden Tag Dutzende von Menschen in Gewahrsam.

Dies sind beispiellose Zeiten, und mehr denn je werden wir weiterhin handeln, indem wir unser Möglichstes tun, um die Schwächsten zu schützen und zu verhindern, dass uns unsere Grundrechte und unsere Menschenwürde vorenthalten werden. SOHRAM-CASRA wird mit seinen internationalen und regionalen Partnern zusammenarbeiten.

Mit unseren besten Grüßen.

Yavuz Binbay

Stand: April 2020