Olga Karatch: Aktivistin für mehr Demokratie in Weißrussland

Friedenspreis 2019: Preisträgerin "Friedensarbeit an der Basis"

Olga Karatch: Aktivistin für mehr Demokratie in Weißrussland
Seit ihrer Jugend kämpft Olga Karatch gegen die Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten des Systems in Weißrussland. Sie ist damit nicht allein: Rund 20 Gruppen gehören inzwischen dem Menschen- und Bürgerrechtsnetzwerks „Nash Dom“ an, das sie gegründet hat.

Politisches Engagement ist in Weißrussland nicht gern gesehen. Vor allem, wenn es sich gegen die Regierung richtet: Weißrussland gilt als "letzte Diktatur Europas". Wer gegen Alexander Lukaschenko und seine Politik aufbegehrt, muss mit Repressionen rechnen, wird vom Geheimdienst bespitzelt, eingeschüchtert und verhaftet.

Olga Karatch: Kampagne für die Erlaubnis von Frauen in MännerberufenAber es gibt auch Menschen, die gegen das System aufbegehren. Immer wieder decken Aktivist*innen Missstände in der weißrussischen Politik auf und organisieren öffentliche Kampagnen, um Politiker*innen zur Rechenschaft zu ziehen.

Eine von ihnen ist Olga Karatch. Sie wurde im Jahr 1979 in Vitebsk geboren, der viertgrößten Stadt in Weißrussland. Im Alter von gerade mal 26 Jahren gründete die politisch aktive Studentin und oppositionelle Stadtratsabgeordnete in ihrer Heimatstadt ein Bündnis, das sich für die Rechte von Mieter*innen eines staatlichen Gebäudekomplexes einsetzte: "Nash Dom", auf deutsch "unser Haus".

Olga Karatch: Kampagne für MenschenrechteHeute engagieren sich Frauen und Männer in mehr als 15 Städten und Gemeinden bei Nash Dom. Aus einer Gruppe sind rund 20 geworden, die über das Menschen- und Bürgerrechtsnetzwerk Zusammenhalt und Unterstützung geben und finden. Ihr Credo: Weißrussland gehört den Bürger*innen des Landes, nicht einer politischen Elite. Sie müssen daher darüber entscheiden dürfen, wie ihre Gesellschaft und ihr Land aussehen sollen.

Nash Dom hat dabei sowohl die kommunale als auch die landesweite Politik im Blick. So fordern Aktivist*innen beispielsweise regelmäßig Rechenschaft von Kommunen über die städtische Politik und Transparenz hinsichtlich der Mittelverwendung. In Newslettern, Online-Medien und sozialen Netzwerken berichtet Nash Dom über die innen-, außen- und sicherheitspolitischen Entwicklungen des Landes – etwa über einen Kongress, zu dem Lukaschenko nationalistische und rechtsextreme europäische Parteien wie die österreichische FPÖ, den französischen Front National und die AfD eingeladen hatte. Zudem unterstützt das Netzwerk Menschen, die Opfer staatlicher Repression und Gewalt werden.

Auch Olga Karatch wurde unzählige Male verhaftet. Dennoch ist sie weiterhin als außerparlamentarische Aktivistin aktiv. Die Politikwissenschaftlerin gilt als der Kopf, das Gesicht und die treibende Kraft von Nash Dom – auch wenn sie das Netzwerk heute vom benachbarten Litauen aus als Direktorin leitet. Sie gehört zum Kreis der internationalen Friedensaktivist*innen, die zu internationalen Treffen des Projekts "Global Peacebuilders Summit" der Culture Counts Foundation eingeladen werden. Im Jahr 2010 erhielt sie den Radebeuler Couragepreis.