Humanitäre Krise in Ceuta

Die spanische Exklave Ceuta erlebt eine beispiellose humanitäre Krise: Zehntausende Menschen überquerten im Juli innerhalb weniger Tagen die Grenze aus Marokko. Während die meisten unter Druck zurückkehrten, leben Tausende weiterhin in rechtloser Situation. No Name Kitchen leistet Notfallhilfe – dafür brauchen wir Ihre Unterstützung.

Die spanische Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste erlebte Ende Juli 2026 eine beispiellose humanitäre Krise. Innerhalb von nur drei Tagen – zwischen dem 28. und 31. Juli – gelangten Schätzungen zufolge zwischen 60.000 und 70.000 Menschen aus Marokko in die Stadt, die meisten schwimmend oder zu Fuß entlang des Wellenbrechers von Tarajal. Was folgte, war ein nahezu vollständiger institutioneller Zusammenbruch. Die Aufnahmezentren waren innerhalb weniger Stunden überfüllt, und tausende Menschen mussten ohne Zugang zu Wasser, Nahrung, Unterkunft oder medizinischer Versorgung auf Straßen, Stränden und in Wäldern ausharren. Die Reaktion der spanischen Verwaltung bestand überwiegend darin, Menschen zur Rückkehr nach Marokko zu drängen. Schätzungsweise 80 bis 90 Prozent derjenigen, die die Grenze überquert hatten, kehrten daraufhin bereits in den ersten Tagen zurück. Dennoch verbleiben rund 6.000 bis 8.000 Menschen in einer ungeklärten Situation auf der Straße, in improvisierten Lagern oder versteckt in Wäldern – ohne Registrierung, ohne Informationen über ihren rechtlichen Status und ohne Klarheit darüber, was von ihnen erwartet wird.

Die Situation hat sich seitdem nicht verbessert – im Gegenteil: Sie verschärft sich. Besonders betroffen sind unbegleitete Minderjährige, von denen viele in Schulen, auf Fußballplätzen oder in verlassenen Gebäuden untergekommen sind. Hunderte minderjährige Mädchen, die vor sexualisierter Gewalt fliehen, finden nur notdürftigen Schutz in von Nachbarschaftsvereinen geöffneten Räumen. Die offiziellen Einrichtungen wie das CETI-Zentrum oder die Heime für Minderjährige sind seit Monaten überlastet und können den Andrang nicht bewältigen. Militärzelte, die als Notlösung aufgestellt wurden, bleiben leer, da sie keine grundlegende Infrastruktur wie Wasser oder Strom bieten.

Die humanitäre Not ist allgegenwärtig. In den ersten Tagen nach der Krise blieben Geschäfte geschlossen, und Militärpatrouillen verweigerten den Zugriff auf Lebensmittel und andere Grundgüter. Öffentliche Duschen und Trinkbrunnen blieben gesperrt, und die extreme Hitze am Tag sowie Kälte und Feuchtigkeit in der Nacht verschärften die Situation. Viele der Ankömmlinge hatten bei der gefährlichen Überquerung ihre Habseligkeiten verloren, darunter Bargeld und Dokumente, und konnten daher keine finanziellen Hilfen von zu Hause erhalten. Der Hunger ist allgegenwärtig. 

No Name Kitchen, eine Partnerorganisation der schwelle, ist seit 2021 in Ceuta aktiv, um People on the Move zu unterstützen. Aktuell hat sie ihre Kapazitäten massiv ausgeweitet, um auf die Krise zu reagieren. Das Team, das ursprünglich aus fünf Personen bestand, ist auf zwanzig angewachsen und unterstützt die gestrandeten Menschen mit Lebensmitteln, medizinischer Grundversorgung, rechtlicher Begleitung und der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen. Allein im ersten Monat der Krise wurden über 30.000 Mahlzeiten verteilt, mehr als 1.150 Menschen medizinisch versorgt und über 150 Zeugenaussagen zu Gewalt durch Polizei und Militär gesammelt. Besonders alarmierend ist die Situation der unbegleiteten Minderjährigen: Jungen im Alter von 16 bis 17 Jahren werden von den Behörden nicht als Minderjährige anerkannt und haben somit keinen Zugang zu Schutz oder Vormundschaft. Viele von ihnen weigern sich, nach Marokko zurückzukehren, und leben in ständiger Angst. Mädchen berichten von Vergewaltigungen und sexualisierter Gewalt, die sie sowohl von anderen Geflüchteten als auch von Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft erlebt haben.

Gleichzeitig wird die Arbeit von No Name Kitchen zunehmend erschwert. Seit Beginn der Krise sieht sich die Organisation einer wachsenden Kampagne aus Einschüchterung, Kriminalisierung und Gewalt ausgesetzt. Mitglieder des Teams wurden festgenommen, während ihrer Arbeit angegriffen und in sozialen Medien mit Hassbotschaften und Morddrohungen überzogen. Gleichzeitig werden provisorische Lager, in denen Geflüchtete unterkommen, angegriffen und niedergebrannt.

Während die mediale Aufmerksamkeit nachlässt, verschärft sich die Krise weiter. Infektionen nehmen zu, der Hunger hält an, und die Spannungen mit der lokalen Bevölkerung wachsen. Politische Blockaden verzögern Verlegungen auf das spanische Festland, und viele Geflüchtete leben weiterhin in einem rechtlosen Schwebezustand, ohne Zugang zu Registrierung oder Informationen über ihren Status. No Name Kitchen warnt: Der Notstand ist nicht vorbei – er tritt in eine weniger sichtbare, aber gefährlichere Phase ein.

Aus diesem Grund hat die Stiftungen die schwelle eine unbürokratische finanzielle Nothilfe zugesagt, damit die Bereitstellung von Lebensmitteln und Wasser, eine niedrigschwellige medizinische Versorgung und die rechtliche Unterstützung der jungen Menschen auf der Flucht in den kommenden Wochen aufrechterhalten werden können. Dafür brauchen wir Ihre Spende. In einer Zeit, in der Menschenrechte an den Rändern Europas systematisch missachtet werden, kann Ihre Spende für No Name Kitchen einen entscheidenden Unterschied machen – und ein Zeichen für Solidarität und Menschlichkeit setzen.

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