Angespannte Lage in Nicaragua

Juni 2021: Angesichts der angespannten und aussichtslosen politischen Lage in Nicaragua ist die aktuelle Situation für das Colectivo außerordentlich schwierig.

Vom Präsidenten Daniel Ortega und seiner Frau der Vizepräsidentin Rosario Murillo wird Nicaragua seit vielen Jahren und zunehmend diktatorisch regiert. Die breite Protestbewegung im Jahr 2018 wurde damals mit brutaler Gewalt niedergeschlagen, mit Hunderten von politischen Gefangenen, rund 400 Ermordungen und allein 100.000 Nicaraguaner*innen im Exil in Costa Rica. Unter anderem wurde das Menschenrechtszentrum CENIDH verboten, das von der schwelle Friedenspreisträgerin Vilma Nuñez gegründet worden ist und auch das Colectivo wurde bedroht. Seit diesem Jahr werden über ein neues Gesetz alle Mitglieder von Organisationen mit Unterstützung aus dem Ausland als "ausländische Agenten" definiert und müssen monatlich bis ins kleinste Detail Rechenschaft ablegen. Sie dürfen auch nicht gewählt werden. Und angesichts der bevorstehenden Wahlen im Oktober verschlechtert sich die Lage von Woche zu Woche mit Verboten von Parteien, willkürlichen Verhaftungen u.v.m. Zoraida Tórrez, Gesundheitsfachkraft im Colectivo schreibt: "Wir befinden uns weiterhin unter den gleichen Bedingungen ohne legale Unterlagen, viele Fahrten in die Hauptstadt zur zuständigen Regierungsstelle, man empfängt uns nicht, übergibt uns nicht unsere Unterlagen, erlegt uns Strafen auf, "kommt morgen wieder", wir sind erschöpft und fahren nicht mehr hin und wir sind uns des Risikos und der Gefahr bewusst, die uns droht. Wir machen mit der Bedrohung und der Unsicherheit weiter, dass sie gegen uns wie gegen andere Organisationen vorgehen werden."

Das Colectivo trifft sich nach wie vor regelmäßig zu Gemeindeversammlungen mit den Frauen in 14 Dörfern. Diese haben sich vor vielen Jahren mit Unterstützung und Beratung des Colectivo organisiert und jeweils ein kleines Haus errichtet, in dem sie sich treffen können. Themen gibt es nach wie vor genug, z.B. zur Wasserversorgung. Aktuell informiert das Colectivo in diesen Gemeinden aufs Neue mit Theater-Aufführungen zur Covid-Pandemie, berät über Präventionsmaßnahmen und übergibt Sets mit Masken, Seife, Chlor und Handtüchern. Auch die Treffen mit den Kindergruppen laufen weiter, und die kleinen Bibliotheken für Kinder und Jugendliche (in den Frauenhäusern) bleiben geöffnet - ein ganz wichtiger Raum für diese angesichts der aktuellen Situation.

Außerdem finden die wöchentlichen gynäkologischen Sprechstunden wie immer statt, sowie die juristischen Beratungen und die Begleitung und Betreuung von Gewaltopfern.

Einmal im Monat wird das Spontan-Theater organisiert, im Wechsel von Präsenz- und Online-Veranstaltung, bei dem jedes Mal bedrückende Situationen spielerisch reflektiert werden.

Größere Aktivitäten wie öffentlichen Foren wurden allerdings wegen der Pandemie suspendiert. Aber die Kampagnen gehen über die eigene Radiostation und in den sozialen Netzen weiter. Und jetzt im Mai nimmt das Colectivo an mehreren internationalen Online-Foren zur Gesundheit von Frauen, sexuellen und reproduktiven Rechten und der Verteidigung von Menschenrechten teil.

Mit großem persönlichem Mut führen die Frauen des Colectivo ihre Arbeit einfach weiter, soweit das die Pandemie zulässt, stehen zu ihrer Verantwortung und überlassen die Frauen und Kinder in den Gemeinden nicht sich selber - trotz oder auch gerade wegen  der bedrohlichen politischen Situation.

Ganz aktuell gibt es eine schöne Möglichkeit, sich ein Video über die Arbeit des Colectivo anzuschauen. Bea Huber ist Schauspielerin, im Theater- und Videobereich aktiv, und arbeitet seit 25 Jahren mit dem Colectivo, sie schreibt: „Wir haben letztes Jahr ein Video über die kreativen Methoden des Colectivo de Mujeres de Matagalpa gemacht. Nun haben wir es Deutsch untertitelt. Danke Beate Neuhaus für die Übersetzung. In poetischer Form erfasst das Video die Veränderungen, die durch die Anwendung kreativer partizipatorischer Methoden aus feministischer Perspektive entstehen. 25 verschiedene Stimmen weben eine Geschichte des Widerstands und schaffen Vorschläge in einem Kontext von Unterdrückung." Der Link ist am rechten Rand.

Informationen über den Projektpartner Frauenkollektiv von Matagalpa der schwelle finden Sie hier

 

 

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